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Macht doch die Augen auf!

Foto eines Auges (Karen Roe - CC-BY)

Katrin Albsteiger, JU-Vorsitzende in Bayern und Listenkandidatin zur Bundestagswahl 2013, hat heute auf SPON einen Gastbeitrag mit der Überschrift „Es geht uns gut“ veröffentlicht. Der Text ist vor allem eine Antwort auf die zwei Gastbeiträge unserer Politischen Geschäftsführerin Katharina Nocun, die über Perspektivlosigkeit, Zukunftsängste und eine fehlende Lobby für die junge Generation schreibt.

Ich bin bei den Piraten und vielleicht stört mich in ihrem Text die Überheblichkeit gegenüber meiner Partei. Albsteiger unterstellt in ihrem Text, die Piraten würden in der Generationendebatte einen Streit zwischen Alt und Jung herbeiführen und all unsere Reformideen würden gegen die Alten sein. Ich würde ihr in dieser Debatte gerne unsere vielen älteren Mitglieder zeigen und unsere vielen jungen Mitglieder, die nicht gegeneinander sondern miteinander für ein besseres System kämpfen.

Weit mehr als die Überheblichkeit gegenüber meiner Partei stört mich aber die unglaubliche Arroganz gegenüber anderen jungen Menschen. Durchhalteparolen wie „wir haben schon viel erreicht und die Tendenz ist weiter positiv“ machen mich wütend: Wenn nur ein Teil der Kinder von Bildungsdurchlässigkeit, ein Teil der jungen Generation von Aufstiegschancen und nur ein Teil der Erwachsenen von Vereinbarkeit von Familie und Beruf profitieren, sind wir eben nicht auf einem guten Weg. Wenn nur ein Teil unserer Gesellschaft von guten Dingen profitiert, will ich eben nicht so weitermachen, sondern die Fragen stellen, wie wir das für alle erreichen können.

Und nein: es geht nicht allen Jugendlichen immer und überall nur schlecht und jeder jammert nur, da missversteht Albsteiger die Texte von Katharina Nocun. Aber mit den ewigen CSU-Parolen, bei uns (welches uns eigentlich?) sei doch alles besser, Sozialneider sollen endlich aufhören zu jammern und das alte „mir san mir“, ist den vielen jungen Menschen, die eben schon zweifeln nicht geholfen, im Gegenteil, da wird Mut- und Hoffnungslosigkeit nur noch befeuert.

Solange

  • wir Kinder haben, die durch ihre Herkunft aus sozial schwächeren Familienstrukturen wesentlich schlechtere Chancen haben,
  • wir junge Familien haben, die Beruf und Familie nicht unter einen Hut bekommen,
  • wir es nicht schaffen, Menschen mit Migrationshintergrund ein gleichberechtigtes Leben innerhalb der Gesellschaft zu ermöglichen,
  • wir es nicht schaffen, unterschiedliche Lebensentwürfe gleich zu stellen,
  • wir es nicht schaffen, allen Jugendlichen Berufs- und Lebensperspektiven zu geben,

will ich kein „bei uns ist alles besser“, „hör auf zu jammern“ oder „ist eh nicht finanzierbar“ mehr hören, wenn sich Menschen Gedanken machen, sich mit Ideen auseinander setzen und eine gesellschaftliche Debatte anstoßen, welche Alternativen es zum aktuellen System gibt. Alternativen, von denen alle Menschen unserer Gesellschaft profitieren sollen.

Deswegen würde ich mich sehr freuen, wenn junge Politiker der CSU endlich die Augen richtig aufmachen würden und sehen, dass eben nicht „alles in Butter“ ist und anfangen, mit uns gemeinsam anfangen, neue Wege zu gehen und Lösungen zu suchen, von denen alle profitieren, und nicht nur ein ausgewählter Teil unserer Gesellschaft.

Foto: Karen RoeCC-BY

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Theresa Kienlein geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

3 Kommentare zu “Macht doch die Augen auf!

  1. Saliko

    Sehr gute Antwort. Auch mich hat das Schubladendenken in dem Text gestört. Weder möchte ich ein Alt gegen Jung noch ein übermäßiges die Partei gegen eine andere, sondern gemeinsam Zukunft gestalten! <3

  2. KingPirator

    Wer als junger Mensch Mitglied bei der CSU wird, dem geht es natürlich gut und der will natürlich das „Weiter so“. Wer aber schon als Kind miterlebt hat, welche sozialen Abgründe in so einem reichen Land existieren, der erkennt dann auch, dass genau dieses „Weiter so“ der Grund dafür ist. Das ist Politik für die, denen es gut geht und funktioniert in Sachen Machterhalt so lange die Mehrheit kein soziales Gewissen entwickelt. Schlagzeilen sorgen dann dafür, dass die, denen es gut geht, auf die neidisch sind, die Hartz IV bekommen, weil die ja „nichts“ dafür tun und „von meinem Geld“ leben. Vielleicht hätte man den Grundwehrdienst durch ein halbes Jahr Zwangs-Hartz IV für alle ersetzen sollen… als Bildungsauftrag.

  3. ansgarhone

    Ahoi,
    ich habe alle Artikel in diesem Zusammenhang gelesen und bin froh, dass diese Thema auf die Tagesordnung kommt.
    Der Konflikt zwischen Alt und Jung ist alt. Leider auch die Argumentation von Frau Albsteiger, die genau die Argumente der alten Generation vertritt. Uns geht es doch so gut. Das liegt der wesentliche Denkfehler. Neue Zeiten brauchen neue Lösungsansätze, weil es die alten Probleme nicht gab. Eine Alterung der Gesellschaft ist nicht mit mehr Kindern zu beantworten. Vielleicht hat ja Banghla Desh das Problem nicht mit wenigen Kindern aber die Leute sind arm. Unser Problem ist es das das bismarcksche Rentenmodell nicht mehr hinhaut. Ich habe in einem alten Dierke Weltatlas, den die meisten aus der Schule kennen, mal die Bevölkerungspyramide von 1900 genommen und dabei festgestellt, dass bis zum 20 Lebensjahr 12,5% der Bevölkerung gestorben sein muss, damit das Rentenmodell funktioniert. Soll man jetzt die medizinische Behandlung von Kindern abschaffen?
    Wichtig ist auch, dass junge Menschen nicht mehr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, weil sich die Ausbildungszeiten verlängert haben. Und danach geht die Beschäftigungsunsicherheit weiter. Da fehlen Einzahlungszeiten.
    Und dann das „Problem 57“. Die Betroffen stehen mit 57 Jahren am Ende Ihres Berufslebens und die eigenen Eltern werden zum Pflegefall. Das kostet Arbeitskraft, Geld oder beides.
    Ich bin daher ein Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens, und zwar durch die Leute, die davon profitieren und nicht nach den Vorstellungen des Bundestagswahlprogramms. Arbeitgeber, die vom Praktikantismus profitieren, sollen mal dafür zahlen. Und Praktika in Ausbildungen deuten darauf hin, dass die Ausbildungen schlecht sind. In den USA dauert das Medizinstudium 4 Jahre ohne Praktika, in Deutschland 6 Jahre, wobei es zwar Semesterferien gibt, in den man aber beständig irgendwelche Praktika leisten muss. Und zum Schluss das unbezahlte Praktische Jahr. Durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen müssen Arbeitgeber sich profilieren, dass man bei Ihnen arbeiten soll.
    Originalzitat Frau Albsteiger:
    Als Vertreterin der bürgerlichen Jugend setze ich hier aber lieber auf flexiblere Arbeitsmodelle, zum Beispiel eine freiwillige Spätrente, eine Entlastung der Eltern bei der Rentenversicherung und eine Stärkung der privaten Säule der Rentenversicherung, die nicht mit der Grundsicherung verrechnet werden darf.
    Hier sind 4 Konzeptvorschläge, die nun wirklich nicht mehr passen:
    1. Flexiblere Arbeitzeitmodelle haben sich nicht durchgesetzt. Das hat eine praktikumsorientierte Industrie bisher verpennt. Wer die hilflosen Konzepte des Personalentwicklungswesen liest, weiß, dass da die Kreativität so fern ist wie der Borkenkäfer der Tiefsee.
    2. Freiwillige Spätrente: Was soll das denn? Wie bekomme ich den Dachdecker mit dem Rollator auf die Schindeln?
    3. Entlastung der Eltern mit Kindern: Ist vor der Bundesverfassungsgericht gescheitert.
    4. Private Säule der der Rentenversicherung: Das wird von einer Inflation von 1-2 % aufgefressen. Falls man über die mathematischen Kenntnisse verfügt, kann man das ausrechnen. Ein Lob unserem Schulwesen, dass kaum jemand dazu in der Lage ist. Gäbe man das Steuergeld „Riesterrente“ in die gesetzliche Rentenversicherung und ließe sie nicht durch Banken und Versicherungen verzocken, wäre ein Teil des Problems gelöst. Soviel auch zum Thema Schulden.

    Zitat:
    Im Gegensatz zu den Piraten will die bürgerliche Jugend dies gemeinsam mit der älteren Generation schaffen und nicht gegen sie.
    Zitatende:

    Vielleicht mag ja Frau Albsteiger ihren Schwesterparteifreund Norbert Blüm nicht, der einmal nach seiner Zeit als Arbeitsminister ausführte, dass eine Rente nur auf der Wertschöpfung andere Menschen aufbauen kann. Daher wird der Grundkonflikt zwischen Alt und Jung bleiben. Für die Behauptung das Jung und Alt gegeneinander stehen, finde ich bei Frau Nocuns Artikel nichts. Vielleicht kann mir da jemand helfen, dass zu finden.
    Als Älterer sage ich nur, dass nur die jungen Menschen die aktuellen Anforderungen kennen, weil sie in eine Zeit hineingeboren sind, die sich mit dem heute und nicht dem gestern beschäftigt. Der Artikel erinnert mich auch an den Zeitpunkt, als ich vor einem Jahr zum das Bildungsprogramm der CSU las und mir dachte: „Jetzt sind sie 56 Jahre an der Regierung. warum machen sie es nicht?“
    Ich glaube, man braucht die unter den Piraten erwünschte Schwarmintelligenz, die ja auch Jung und Alt miteinbezieht, um das Problem zu lösen.
    Bis dann
    Ansgar Honé

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