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Der kurzsichtige Blick der Absteigerin

Foto eines Abendlichen Horizonts (Kastern Planz - CC-BY)

Katharina Nocun erklärte auf Zeit-Online die Zukunftsängste der heutigen Generation, woraufhin Katrin Albsteiger auf Spiegel Online den Artikel „Es geht uns gut!“ verfasste. Benjamin Stöcker antwortet Frau Albsteiger.

Ich muss zugeben: Mir geht es gut! Ich bin gut ausgebildet, Ingenieur, verdiene gut und habe einen festen Arbeitsvertrag. Einzig nur: Ich bin extrem privilegiert. Ich hatte und habe es in vielerlei Hinsicht leichter als Andere. Nicht nur, dass ich weiß und männlich bin und die Möglichkeit zu einer guten Ausbildung hatte sowie Umstände, die es mir erlaubten, diese Möglichkeit auch zu nutzen. Nein, ich habe auch noch das Glück, in einer Region geboren worden zu sein, die mit einer Niedriglohnstrategie in einem gemeinsamen Währungsraum wie eine Zecke die Produktion aus halb Europa gesaugt hat – was zu hervorragenden Verdienstmöglichkeiten für Ingenieure gesorgt hat. Nur weiß ich: Mein Schicksal ist nicht repräsentativ, und ich bin nicht der Nabel der Welt. Aber ich verstehe, wenn diese Einsicht nicht jeder Politiker in Deutschland teilt.

Die Folgen der deutschen Politik sprechen Sie, Frau Albsteiger, selbst an. An der Jugendarbeitslosigkeit von 56 % in Spanien ist auch die von Deutschland geprägte europäische Politk schuld. Denn die Länder, die die Strategie der menschenverachtenden Hartz-4-Politik nicht mitmachen und nicht beim Lohndumping für die Mittelschicht dabei sind, müssen zusehen, wie die Arbeitsplätze ins Billiglohnland Deutschland abwandern. Da es den Ländern an einer eigenen Währung und an Schutzzöllen fehlt, gilt für sie: Mitgefangen, mitgehangen.

Und es ist beleibe nicht so, dass in Deutschland für die Menschen massenweise eitel Sonnenschein angesagt ist: Mehr als sieben Millionen Menschen in diesen Land sind auf finanzielle „Hilfe“ durch ALG2 angewiesen. Arbeitslosenstatistik hin oder her: Erkauft wurde unser wirtschaftlicher Erfolg mit befristeten Arbeitsverträgen und Löhnen, die alleine oft nicht zum Leben reichen. Gerade für Menschen in meinem Alter sind Leiharbeit und Jahresverträge Alltag, vor allem, wenn sie nicht studiert haben. Und wenn du studiert hast, dann bitte das Richtige. Ansonsten musst du dich erst mal durch unbezahlte Praktika ausbeuten lassen, bevor der erste befriste Arbeitsvertrag in Sichtweite ist.

Natürlich könnte ich darauf nichts geben und aufgrund meiner persönlichen Situation lächeln, der Jungen Union beitreten und dafür kämpfen, dass ich weiter gefördert werde. Aber, liebe Frau Albsteiger: Wer Politik nur für Menschen in privilegierten Positionen macht, wie es die Junge Union tut, der hat nicht nur keine Weitsicht und rüttelt an den Grundlagen jeglichen menschlichen Zusammenlebens, sondern zeigt auch, dass er seine Empathie an der Garderobe auf dem Weg zur Macht abgegeben hat.

Wer aber mit offenen Augen durch die Welt geht und sich etwas mit Technik beschäftigt, der begreift schnell: In absehbarer Zukunft werden die meisten Aspekte unseres Lebens durch Automatisierung rationalisiert und vereinfacht sein. Wir schaffen uns so immer mehr Freizeit, denn eine unlimitierte Steigerung der Produktion und somit des allgemeinen Wohlstands ist aufgrund der limitierten Ressourcen unserer Umwelt nicht möglich. Oder anders ausgedrückt: Mit dem Peak-Oil kommt auch der Peak-Wohlstand.

Und wer wie Sie gegen eine Schuldenpolitik argumentiert, weil er erkennt, dass sie nicht nachhaltig ist, der muss auch über das Mantra der ewigen Produktionssteigerung Skepsis walten lassen. Denn klar ist, dass unserere derzeitige Ausbeutung der natürlichen Ressourcen auf Kosten unserer eigenen Zukunft geht. Vom absolut ungelösten Problem Atommüll, den wir ja hauptsächlich der Union zu verdanken haben, mal ganz zu schweigen.

Dass unser derzeitiges Wachstum nicht nachhaltig ist, werden wir spätens dann zu spüren bekommen, wenn die ganzen jungen und gut ausgebildeten Spanier, Portugiesen, Italiener und Schweden zu uns kommen, um ihren Teil am Wohlstand zu beanspruchen. Dann werden auch die derzeit Privilegierten merken, dass wir uns nur ein paar Jahre Ruhe erkauft haben und das grundlegende Problem vergleichbar mit dem Karma ist: Es kommt wieder und wird immer wieder kommen, wenn wir es nicht endlich lösen.

Tief in unserer Generation steckt genau dieses Wissen um die Veränderung der Welt, und dass wir für unsere Eltern auf viele verschiedene Weisen die Zeche zahlen müssen. Und dieses Wissen zeichnet einen Horizont ab, an dessen Ende eine diffuse Zukunftsangst schimmert. Leider entfaltet sie dort Strahlkraft, weil die Politik, die Menschen wie Sie vertreten, sich nicht um dieses Wissen und diese Angst kümmert, sondern mit dem Mantra „Alles ist gut!“ durch die Welt tanzt, als sei das Ende der Party nicht in Sicht. Noch spielt die Musik ja, irgendwie.

Und Sie werden jetzt schmunzeln, aber Sie sind mir zu negativ gegenüber der Zukunft eingestellt. Ich sehe eine glorreiche Zeit für die Menschheit kommen. Ich denke darüber nach, wie wir weiterhin gut gelaunt sein werden am Morgen nach der Party: Uns stehen fantastische Möglichkeiten für eine Welt offen, in welcher der Einzelne viel Zeit hat, um sich um seine Mitmenschen zu kümmern und um sich selbst zu verwirklichen. Der technische Fortschritt wird weitgehend für die Befriedigung unserer grundlegenden Bedürfnisse sorgen.

Diese zukünftige Gesellschaft braucht neue Konzepte, mit denen der Wohlstand gerecht verteilt wird, damit dafür gesorgt ist, dass nicht Wenige auf Kosten Aller leben. Darauf steuern wir derzeit nämlich leider zu, denn die Gewinne der Automatisierung kommen hauptsächlich den Wohlhabenden zugute. Und ein System, in dem die Mehrheit der Menschen keine Möglichkeit der gerechten Teilhabe besitzt, führt zu Leid, Aufstand und Krieg. Beispiele dafür gibt es genug in der europäischen Geschichte. Aktuell muss man nur nach Schweden gucken, wo die heute brennenden Autos die Folge der politischen Veränderungen der 90-er Jahre sind.

Gefragt sind daher Ideen für gerechte Gesellschaftssysteme der Zukunft. Eine solche Idee ist ein bedingungsloses Grundeinkommen. Vielleicht mag es noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber wir Piraten sind die Partei, die offen darüber nachdenkt, wie die Gesellschaft in 50 Jahren funktionieren kann. Das ist der Zeithorizont, in dem wir denken, wenn wir über Zukunft reden.

Und, liebe Frau Albsteiger: Wir brauchen eine Gesellschaft, in welcher alle Gerechtigkeit erfahren. Chancengerechtigkeit ersetzt keine Gerechtigkeit. Wobei, sie wäre schon einmal ein Anfang. Wann bekommen wir sie denn, und wird sich die Union dafür einsetzen? Und damit meine ich nicht nur für Sie oder für mich, sondern für jeden Europäer!

Foto: Kastern PlanzCC-BY

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Benjamin Stöcker geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

2 Kommentare zu “Der kurzsichtige Blick der Absteigerin

  1. meiner meinung nach wird es immer so weitergehen. und falls sich die menschen der mittel und unterschicht doch mal erheben weil sie aufwachen, wird jeder aufstand sofort niedergeknüppelt.

    die zeit für einen wandel ist gekommen, einige haben es erkannt, fragt sich nur wann der rest auch noch aufwacht!

    Piraten – Für eine bessere zukunft!

  2. Volker Neukirchner

    Leider liegt Bayern in Deutschland Europa total daneben, weil halt los und unanständig. Man kann in dieser Welt nicht gegen die freie Welt wirtschaften das ist nicht nur dumm sondern auch ehrverletzend ein Streich und Stunk wie vieles in Bayern die mit dieser Politik Sachsen jetzt ganz grausam ruinieren weil anti demokratisch in einem Regime durch und durch in doppel Moral und Heuchelie den Schweinen der EX DDR der Russen der Kräfte die Beabsichtigen uns in Terror Auszurotten in Bayern Tür und Tor geöffnet werden. Das ist die dreckige verlogene Logik die zum Himmel stinkt eben
    Religion und Politik sonst nichts sonst nur Deppen und dieses Kaliber der Kath. und Protestanten haben in London mit den Terrorismus schon längst Kriegskasse gemacht. Man hat die Welt in Europa schon längst verraten und verkauft die BRD ist nicht bereit und gewillt anständig in Bayern unter Seehofer die 40 Billionen Schulden pro Kopf Verschuldung von 500000 euro in Deutschland zu bezahlen. Nein man trickst und haut und sticht sich mit den politischen Gegner die Taschen voll auf Kosten der Bundesbürger einer schweigenden Mehrheit zum trotz zur Schande passiven
    Widerstand und die Bürger schalten auch noch den Fernsehr ein un lesen die Zeitungen dieser anti demokratischen Medien der Nazis und Alt Stalinisten der Ewig Gestrigen.

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