Saatgutverordnung und Monsanto

Gegen Patente auf Leben | CC Zero

Ich habe einige Punkte an dieser Saatgutverordnung auszusetzen. Ein so einseitig von den Interessenverbänden geprägter Entwurf darf nicht Gesetz werden.

Nischenprodukt Vielfalt ):

Zum einen werden alte und lokale Sorten nur als „Nischenprodukt“ behandelt – jedoch ist die Sortenvielfalt ein wichtiger Garant für unsere Nahrungsmittelproduktion. Gerade diese Sorten sind wichtig für die Vielfalt auf unseren Tellern und den Erhalt der bäuerlichen Kultur. Jede einzelne dieser Sorten enthält gewisse Genbestandteile, die für spätere Züchtungen von Bedeutung sein können. So sind zurzeit in Deutschland etwa 2000 verschiedene Apfelsorten bekannt. Für industrielle Kreuzungen finden jedoch nur weniger als zehn Verwendung! Noch dazu hat die EU-Kommission nichts Konkretes festgelegt, nur angekündigt, dass dieses Saatgut von der neuen Regelung ausgenommen wird. Wie genau jedoch damit zu verfahren ist, muss noch bestimmt werden. Nur wann und von wem?
Diese „Nischenprodukte“ sollen nach der neuen Saatgutverordnung nur noch geduldet werden. Aber gerade diese Vielfalt gilt es zu erhalten und zu fördern!

Patente auf Leben

Jahrhundertelang haben Züchter Pflanzen auf herkömmliche Weise verbessert, ihre Produktivität gesteigert und neue Sorten geschaffen. Und nun kommen ein paar Konzerne daher und meinen, dass sie diese Pflanze erfunden haben? Patente auf Leben sind generell abzulehnen. Der Innovationsanreiz durch Patente wird in diesem Sektor definitiv zum Innovationshemmnis. Durch diese Patente leiden nur kleinere Saatgutproduzenten.

Strikte Regeln für Sorten

Was als Sorte registriert (und damit angebaut) werden kann und darf, ist sehr konkret geregelt. Geringe Abweichungen sind weitgehend ausgeschlossen – aber gerade so wird heute in der bäuerlichen Landwirtschaft angebaut! Diese Landsorten stellen keine „reinen“ Sorten dar, sondern Populationen. Aber auch hier soll später Konkretes in den weniger beachteten Verordnungen geregelt werden.

Nachlässigkeit – zu wessen Gunsten?

In einigen Bereichen sind die Regelungen sehr strikt – hingegen in denen, die der Saatgutindustrie zugute kommen, nicht. So sollen Zuchtmethoden wie Gentechnik nicht offengelegt werden. Jetzt fragt man sich ja schon, was das soll. Lehnen nicht gerade dies jede Menge Europäer ab? Also ist es ja doch relevant für uns!

Lobby, mach mir ein Gesetz!

Von der Verordnung profitieren gerade die weltweit agierenden Saatguthersteller wie Monsanto. Schon heute schrumpft der Marktanteil kleinerer Hersteller beständig, während die sechs größten ihren Marktanteil innerhalb von 17 Jahren verdoppeln konnten. Diese Konzerne und Interessenverbände haben bereits im Vorfeld ihre Vertreter strategisch klug platziert.
Dabei geht es nicht allein um das Saatgut. Konzerne wie Monsanto oder Bayer bieten speziell auf die Pflanzen abgestimmte Dünger und Pestizide an. Zudem handelt es sich bei vielen Sorten um so genannte Hybride. Das sind Pflanzen, die nur im ersten Jahr ertragreich sind. Das treibt Landwirte in die Abhängigkeitsfalle der Saatgut- und Pflanzenschutzmittelkonzerne.

Von diesem monopolistischen Geschäftsverhalten und Einflussnahme auf Politiker durch Hersteller wie Monsanto halte ich nichts. Jeder, der sich mit dieser Saatgutverordnung näher beschäftigt, erkennt, wie stark die großen Unternehmen daran mitgewirkt haben. Die EU-Kommission soll sich den Einwohnern Europas und nicht den wirtschaftlichen Interessen von Lobbyverbänden verpflichtet fühlen!
Letzten Samstag war der weltweite Aktionstag gegen Monsanto. In München waren viele bayerische Piraten mit auf der Straße. Und gestern beim Montagsspaziergang in Würzburg war das Thema ebenfalls „MarchAgainstMonsanto“. Doch es ist noch viel mehr notwendig, um der EU-Kommission zu zeigen, dass sie zu diesem Thema die Meinung der Bevölkerung nicht ausreichend beachtet. Daher: Erzählt es weiter, sprecht darüber, sagt eure Meinung! Sie ist es wert, gehört und beachtet zu werden.

Derzeit gibt es eine oberflächlich formulierte, aber dennoch unterstützenswerte ePetition mit dem Namen Landwirtschaft – Zulassung von Saatgut. Darin geht es um den aktuellen Entwurf der Saatgutverordnung der EU-Kommission.

Die Infos für diesen Kommentar habe ich entnommen aus der Pressemitteilung der Saatgutkampagne.org.

Foto: Gegen Patente auf Leben | CC Zero

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Michaela Keupp geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.


Kommentare

5 Kommentare zu Saatgutverordnung und Monsanto

  1. Udo Neist schrieb am

    Wie sich diese Abhängigkeit auswirkt, das hat mal ein Bericht über Indien gezeigt. Firmenvertreter preisen das angeblich bessere Saatgut an, die Bauern pflanzen es und müssen dann wegen Schädlingen PSM kaufen. Das ganze ist in einem Teufelskreis gelandet, bei dem die Bauern am Schluss verloren haben. Schulden und Ackerflächen, die man nicht mehr nutzen kann. Glaubt die Industrie wirklich, sie sei die bessere Natur? Mitnichten!

    • Michaela Keupp schrieb am

      13:37 xD nice! Aber stimmt genau, diesen Aspekt habe ich gar nicht erähnt. Es ist nicht nur so, dass sich die großen Unternehmen durch solche Verordnungen der Konkurrenz entledigen – sie haben noch dazu durchtrieben Geschäftspraktien und scheißen auf Moral. In Indien waren diese über 200.000 Selbstmorde die Folge.
      Übrigens ist nicht nur dort Monsanto drin wo Monsanto drauf steht – Samen von Monsanto gibts es auch über die Firmen De Ruiter Seeds und Seminis.

  2. Wolfgang Barth schrieb am

    In der Betrachtung fehlen noch die „Nachbaugebühren“: Auch wenn ein Saatgut kein Hybride ist und im Prinzip ein Teil der Ernte als vollwertiges Saatgut für das nächste Jahr verwendet werden könnte, verlangen die „Lizenzgeber“ hohe Gebühren (bis zu 80%) der ursprünglichen Lizenzgebühren.
    Ausserdem werden saatgutaufbereitende Unternehmen, die Ernte beizen um diese für die nächstjährige Aussaat zu erhalten, in die Enge getrieben, z.B. gezwungen ihre Abnehmer zu nennen, um dann diesen Lizenzgebühr abknöpfen zu können.
    Ganz schlimm in den USA, da gibt es praktisch keine Aufbereiter mehr, da alle von Monsanto vom Markt geklagt wurden, da sich im Aufbereitungsmaterial möglicherweise kleine Menge ihres patentierten Gen-Pflanzenmaterials befände.

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Michaela ist 26 Jahre und aus Unterfranken. Sie tritt für die Piraten als Landtagskandidatin in Bayern an. Neben Bildung sind Bürgerbeteiligung und Umweltpolitik ihre Themenfelder.

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