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Adblock ist mein Survival-Tool!

Foto einer Printausgabe der SZ (Thomas Angermann - CC-BY-SA)

Liebe sueddeutsche.de,

Ihr bittet uns darum, dass wir unsere Adblocker für Eure Seiten – und für die Seiten anderer journalistischer Angebote im Netz – deaktivieren. Euer Chefredakteur Herr Plöchinger schaut uns mahnend an und wirbt in der Kopfzeile mittelbar auch für die herkömmliche Bannerwerbung von Webseiten, die seit der Jahrtausendwende in immer aggressiveren Formen daherkommt.

Dass das Blockieren von Werbung für die meisten Menschen, die sich täglich im Netz bewegen, mittlerweile pure Selbstverteidigung ist, scheint Herrn Plöchinger dabei entgangen zu sein. Wo Pop-Up-Werbung, Textstörer, blinkende animated GIFs und riesige Flash-Ungetüme gang und gäbe sind, ist konzentriertes Lesen von journalistischen Inhalten nicht mehr möglich. Der Adblocker ist mittlerweile ein festes Überlebenswerkzeug in der Schlacht um unsere Aufmerksamkeit.

Denn Werbung will mehr als alles andere, dass wir sie sehen und vor allem klicken, denn nur dadurch bringt sie im Internet Geld. Der Adblocker ist eine Hilfe in der Aufmerksamkeitsökonomie. Werbung ist nicht mehr alternativlos. Wenn sie uns nervt, kommt sie weg. Selbst Herr Plöchinger schreibt in seinem Aufruf, dass die Werbeflächen bei sueddeutsche.de verringert werden konnten bei gleichbleibenden Einnahmen. Werbung kostet zudem Bandbreite. In einem Bundesland wie Bayern, in dem es immer noch Landstriche ohne Breitbandanbindung gibt, ist jedes übertragene Werbebyte purer Luxus.

Anstatt zu verlangen, dass wir uns unkontrolliert und gnadenlos derjenigen Werbung aussetzen, die Ihr auf Eurer Seite schaltet, liebe sueddeutsche.de, könntet Ihr auch mal über alternative Finanzierungskonzepte Eurer Seite nachdenken. Wo ist beispielsweise der Flattr-Knopf, um einzelne Artikel oder das gesamte Angebot mit Micropayment zu unterstützen? Wo ist das Crowdfunding Angebot? Ihr habt die Möglichkeit, neue Ideen der Inhaltefinanzierung auszuprobieren, ohne auf das althergebrachte und in Teilen überholte Werbekonzept zurückgreifen zu müssen.

Habt Mut. Es ist Zeit.

Foto: Thomas AngermannCC-BY-SA

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Tina Lorenz geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

2 Kommentare zu “Adblock ist mein Survival-Tool!

  1. morecomp

    Fern der Wahrheit: Ich habe im Internet geschrieben. Ich kenne die Probleme der Journalisten. Deswegen muss ich sagen: ich verstehe den Hilferuf von Golem sehr gut. Es waren auch meine Probleme. Auf Golem wahrscheinlich stärker.

    Micropayment mag auf der Süddeutschen funktionieren aber nicht auf Golem. Die Einnahmen umzustellen würde bedeuten, dem Unternehmen den Todesstoß zu geben. Keiner würde für Nachrichten bezahlen, die er an anderer Stelle vermutlich kostenlos lesen kann.

    Es ist eine Zwickmühle. Dass die Werbung immer agressiver wird, hängt damit zusammen, weil im Netz alle der Meinung sind: es ist gratis. Nein, ist es nicht.
    Wenn ich die Artikel lesen möchte und nicht dafür bezahlen will, muss ich meinen Addblocker ausschalten. Denn sonnst wird es wohl irgendwann diese Inhalte nicht mehr geben. Micropayment ist keine Alternative! Nein ist sie nicht, lasst mich weiter ausfüren.

    Ein Verlag würde dir gerne ein Abo verkaufen, am besten für 5 Euro im Monat oder mehr. Der Nutzer würde gerne unter 1 Cent pro Artikel liegen. Das funktioniert nicht.
    Für den Leser retten die 20% mit einsehen oder die nicht wissen wie man einen Adblocker installiert die Inhalte. Das betrifft übrigens auch die Qalität und Unabhängigkeit: Nur für den Fall, dass ihr euch wundert, wenn irgendwo ein Produkt angepriesen wird, von dem ihr bis Dato noch nichts gehört habt.

    Unabhängige Presse ist etwas wertvolles aber im Kostenlosnetz funktioniert sie nicht.

    Früher ging man an den Kiosk. Da gab es die Süddeutsche und die Bild. Information und Unterhaltung oder teuer und billig. Mit Inhalten, von denen ich gar nicht wusste, dass sie mich interessieren. Attentate in London oder Paris oder nackten Frauen. Heute gibt es Google.
    Heute sehen wir gezielt nach dem Seite-Eins-Girl und sonst nichts. Das Kostenlosnetz tötet den Journalismus. Informationen sind überall, kostenlos, vorsortiert in jeder Menge verfügbar.

    Noch ein Beispiel aus meiner journalistischen Tätigkeit: Ich hatte es geschaft nach längeren Recherchen wirklich eine heiße Nachricht auszugraben. Eine wirklich gute. Ich war sehr wahrscheinlich auch der erste der Weltweit darüber geschrieben hat.
    Genau: so interessant, dass die ganze Welt darüber schrieb. Als ich darüber geschrieben habe, hat es nur niemanden interessiert.

    Ich hatte mir zumindest 500 Euro Werbeeinnahmen verspochen. Ein Mikriker Stundenlohn, wenn man die Arbeit hinter der Geschichte betrachtet. Erst als sich die Bild sich Gedanken über meine Arbeit machte und den Artikel umformuliert hatte und nach einem halben Jahr wieder veröffentlichte, kamen wenigstens noch ein paar Euro. Weit von den Euro entfernt. Das ich die Geschichte ausgegraben hatte, interessierte zu der Zeit keinen. Wenigstens die Bild hätte mir von den Einnahmen etwas abgeben können.

    Micropayment? Hmh? Ich denke nicht, dass ich den 500 Euro deswegen näher gekommen wäre. Es hätte noch nicht einmal mehr Abonnementen gegeben. Es war doch nur Schwachsinn, der noch nirgends stand. Richtig: Es war eine Nachricht. Eine News und das heißt so, weil sie neu war und nicht deswegen so, weil sie bereits auf der Bild stand. Micropayment. Das funktioniert nicht.

    Micropayment 🙂 – wie köstlich…

    P.S. Deswegen sind die Adblocker auch der Tod des freien Journalismus und keine Selbstverteidigung. Mich regt die Werbung auch auf. Gerade dann, wenn man sie schon 1000 Mal gesehen hat! Ich ertrage sie halt. Mach den Ton weg oder kuck nicht hin. Was sich wahrscheinlich auf die Ratios auswirkt und die Werbung noch aggresiver werden lässt. Ein Teufelskreis.

  2. morecomp

    Ach ja noch eines zu der Nachricht. Ein paar haben sie auch so gelesen und die wollten dann von mir Quellenangaben. Das ist doch schön.

    Am besten schreibt man dazu:

    16.15 Uhr Gespräch mit soundso…
    17.20 Uhr Anfrage bei soundso…
    20.15 Uhr Recherche im Netz, ob es einen ähnlichen Artikel gibt.

    Quellenangaben: Am Arsch. Wenn man abschreibt sind die interessant, sonst nicht! Was interessieren euch meine Quellen? Wenn ich die veröffentliche, war es auch das letzte Mal, dass sie mir etwas exklusiv veraten haben.

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