Liebe sueddeutsche.de,
Ihr bittet uns darum, dass wir unsere Adblocker für Eure Seiten – und für die Seiten anderer journalistischer Angebote im Netz – deaktivieren. Euer Chefredakteur Herr Plöchinger schaut uns mahnend an und wirbt in der Kopfzeile mittelbar auch für die herkömmliche Bannerwerbung von Webseiten, die seit der Jahrtausendwende in immer aggressiveren Formen daherkommt.
Dass das Blockieren von Werbung für die meisten Menschen, die sich täglich im Netz bewegen, mittlerweile pure Selbstverteidigung ist, scheint Herrn Plöchinger dabei entgangen zu sein. Wo Pop-Up-Werbung, Textstörer, blinkende animated GIFs und riesige Flash-Ungetüme gang und gäbe sind, ist konzentriertes Lesen von journalistischen Inhalten nicht mehr möglich. Der Adblocker ist mittlerweile ein festes Überlebenswerkzeug in der Schlacht um unsere Aufmerksamkeit.
Denn Werbung will mehr als alles andere, dass wir sie sehen und vor allem klicken, denn nur dadurch bringt sie im Internet Geld. Der Adblocker ist eine Hilfe in der Aufmerksamkeitsökonomie. Werbung ist nicht mehr alternativlos. Wenn sie uns nervt, kommt sie weg. Selbst Herr Plöchinger schreibt in seinem Aufruf, dass die Werbeflächen bei sueddeutsche.de verringert werden konnten bei gleichbleibenden Einnahmen. Werbung kostet zudem Bandbreite. In einem Bundesland wie Bayern, in dem es immer noch Landstriche ohne Breitbandanbindung gibt, ist jedes übertragene Werbebyte purer Luxus.
Anstatt zu verlangen, dass wir uns unkontrolliert und gnadenlos derjenigen Werbung aussetzen, die Ihr auf Eurer Seite schaltet, liebe sueddeutsche.de, könntet Ihr auch mal über alternative Finanzierungskonzepte Eurer Seite nachdenken. Wo ist beispielsweise der Flattr-Knopf, um einzelne Artikel oder das gesamte Angebot mit Micropayment zu unterstützen? Wo ist das Crowdfunding Angebot? Ihr habt die Möglichkeit, neue Ideen der Inhaltefinanzierung auszuprobieren, ohne auf das althergebrachte und in Teilen überholte Werbekonzept zurückgreifen zu müssen.
Habt Mut. Es ist Zeit.
Foto: Thomas Angermann – CC-BY-SA
Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Tina Lorenz geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.


2 Kommentare zu “Adblock ist mein Survival-Tool!”