Bayern Kommentar Politik

Zur Flughafendiskussion im Bayerischen Landtag

Foto: T. Schulz - CC-BY

Eines vorweg: Der Antrag der Freien Wähler, die Zusammenhänge zwischen dritter Startbahn in München und der Entwicklung des Nürnberger Flughafens zu untersuchen, mag den heroischen Aspekt beinhalten, eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen zu verhindern. Zielführend oder sinnvoll ist er jedoch noch lange nicht. Wer entweder selbst viel fliegt oder sich mit dem Verkehrsaufkommen – und vor allem der Entscheidung, wo man abfliegt – beschäftigt, wird bald feststellen, dass beide Flughäfen grundsätzlich nur minimal um Kunden konkurrieren und eine extra Startbahn im Erdinger Moos nur ganz wenige Franken dazu bewegen wird, dort einzuchecken.

Das haben alle Fraktionen außer den Freien Wählern in den entsprechenden Fachausschüssen erkannt und den Antrag abgelehnt. Folgerichtig hat gestern der Landtag den Antrag vollends ablehnt. Leider ist damit weder dem Flughafen München noch dem in Nürnberg geholfen und wertvolle Zeit verloren. Denn jenseits der Ablehnung des aktuellen Antrags tappt der Landtag darüber im Dunkeln, wie dem Nürnberger Flughafen geholfen werden kann.

Es zeigt sich, dass für viele Abgeordnete das Thema Flughafen ein unidentifizierbares Flugobjekt darstellt. Für die Regierungskoalition scheint das Allheilmittel „Wachstum um jeden Preis“ zu sein. Irgendwann einmal – so scheint die naive Rechnung – werden Flughäfen so groß, dass sie sich rechnen. Wer nach Spanien schaut, wo die Finanzkrise den Niedergang von Flughäfen rasant beschleunigt hat, sieht, wohin die reine Lehre des Investitionsfetischismus führt. Wer sich an den aktuellen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen orientiert, wird schnell feststellen, dass große Flughäfen anscheinend alle „von alleine“ wachsen; während mit abnehmendem Fluggastaufkommen die Schrumpfungsprozesse und damit die Probleme für die öffentlichen Anteilseigner zunehmen.

So auch in Nürnberg, und das ganz im Gegensatz zum Münchner Flughafen. Wer hier Zusammenhänge oder gar Konkurrenz sieht, wird das Problem nur verschlimmern anstatt es zu lösen. Denn Fakt ist, dass – obwohl beide nternationale Flughäfen sind – der eine ein europäischer Regionalflughafen ist, der andere aber eine echte interkontinentale Gatewayfunktion erfüllt.

Um das auf den Punkt zu bringen und begreiflich zu machen: Ich werde niemals nach München fahren, um dann mit dem Flieger nach Paris, Wien oder Berlin zu kommen. Im Gegenzug ist es mir als Nürnberger relativ egal, ob ein Langstreckenflug nach Tokio von München, Frankfurt oder Nürnberg startet. Folgt man dieser Logik, so entwickeln sich die Strategien zur Problemlösung am Nürnberger Standort beinahe zwangsläufig.

Erstens ist und bleibt das Charakteristikum des Nürnberger Flughafens das eines europäischen Regionalflughafens. Diese Funktion nimmt der Flughafen weit über Nürnberg hinaus wahr und ist bevorzugter Startort für beinahe ganz Franken sowie die Oberpfalz. Es gilt genau diesen Marktvorteil zu festigen und zu stabilisieren, anstatt weiter ins Ungewisse wachsen zu wollen. Daher schlage ich vor, jegliche Ausbaupläne am Flughafen Nürnberg (außer sicherheitsrelevante im Sinne der Flugtechnik) zu stoppen und zu prüfen, ob unter Umständen ein Downsizing des Geschäftsmodells zur Effizienzsteigerung führen könnte.

Zweitens ergibt sich durch die oben genannte Nichtkonkurrenzsituation neuer Spielraum für Kooperationen. Flughäfen wie Nürnberg und München oder Nürnberg und Frankfurt könnten optimale Kooperationspartner sein, anstatt sich gegenseitig Konkurrenz zu machen. Im operativen Geschäft könnten z.B. Wetterprobleme besser kompensiert, Material kann gemeinsam beschafft und Engpässe ausgeglichen werden. Vorteile nicht nur für den Fluggast, sondern auch für den aktuellen Eigentümer des Flughafens – den Steuerzahler. Hier darf es keine Tabus geben; auch eine Verschmelzung oder ein Verkauf des Nürnberger Flughafens an München oder Frankfurt könnte ein guter Weg sein, allen Beteiligten zu helfen.

Drittens, und das ist eine Folgerung, die wiederum für alle Flughäfen gleichermaßen gilt, wie wir in Berlin dramatisch mitverfolgen können: Alle Politiker sollten aus den Aufsichtsräten verschwinden. Prinzipiell haben Sie da nichts verloren und stellen ein Sicherheitsrisiko für unseren Geldbeutel dar. Einzig und allein Fachwissen gehört in diese Gremien; und ja, ich gebe zu, dass es auch Politiker gibt, die tatsächlich etwas von Flughäfen verstehen und auch fachlich geeignet wären für die Aufgabenbewältigung in einem Flughafenaufsichtsrat – nur offensichtlich nicht in Bayern.

Foto: T.SchulzCC-BY

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Emanuel Kotzian geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

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