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Die durchsichtige Kritik der FDP

Foto einer Eisskulptur (net_efekt - CC-BY)

Stell dir vor, du sitzt beim Morgenkaffee vor deinem Feedreader und siehst folgende Überschrift:

Liberale kritisiert durchsichtige Google-Kampagne

Diesen Neusprechkunstgriff hat nicht etwa ein Journalist eines Zeitungshauses, das das Leistungsschutzrecht durchdrücken will, gebracht. Nein, diese erhellende Überschrift stammt von der FDP – Landesverband Bayern – selbst.

Es ist wirklich eine Schande für euch, liebe FDP, wenn Firmen beginnen, Lobbying nicht mehr über „Stiftungen“ zu betreiben, die mit fragwürdigen Studien Authentizität vortäuschen. Wo kommen wir eigentlich hin, wenn einflussreiche Lobbys nicht mehr mit „Think Tanks“ und „externen Mitarbeitern“ in Behörden ihre Interessen durchsetzen? Ja, was ist das für eine komische Republik, in der man nicht mehr versucht, die Politik mit „Informationsständen“ auf Parteitagen zu überzeugen? Was soll das, wenn man klar sagt, was man will und warum und dennoch darauf setzt, die Menschen in diesem Land zu überzeugen? Und vor allem, was bedeutet das für die FDP und ihre Parteikasse?

Für unser Land wäre es schön, wenn in Zukunft alle Lobbygruppen mit offenem Visier agieren würden und man sehen könnte, welche Firmen aus welchen Motiven und auf welche Weise versuchen, die Politik in diesem Land zu beeinflussen. Denn natürlich ist es das gute Recht jeder Firma für ihre Sache zu werben. Warum aber die Art der Mövenpicks, der Springers, der Bertelsmänner besser sein soll als die Vorgehensweise von Google, ist mir vor allem eins: schleierhaft.

Im Gegenteil zum „altmodischen“ Lobbying ist das Verhalten von Google durchaus in Ordnung. Sie spielen mit offenen Karten und setzen auf die Kraft ihrer Argumente, die sie natürlich mit ihrer Reichweite in die Welt schreiben. Die Gegenseite setzt vor allem auf ihre Verbindungen, auf Verschleierung und auf die Hinterzimmer. Da kann wenigstens keiner zuschauen.

Dass Google anders vorgeht und sich nicht an die für die FDP vorteilhafteren Spielregeln hält, macht Google für die FDP natürlich suspekt. Und genau deswegen nennen sie das Vorgehen von Google durchsichtig. Ich würde es transparent nennen. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Liebe FDP, in dem Fall unterscheide ich mich gern.

Foto: net_efektCC-BY

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Benjamin Stöcker geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

1 Kommentar zu “Die durchsichtige Kritik der FDP

  1. Anonymous

    Der Grund, dass Google hier eine transparente Kampagne fährt, ist, dass hier die Interessen eines Großkonzerns und die der Gesellschaft ausnahmsweise mal überschneiden. Und unter diesen Umständen funktioniert eine derart transparente Kampagne auch. In anderen Bereichen dagegen würde das nicht hinhaun.

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