Bayern Kommentar

Fahrpreiserhöhung für Nahverkehr als Weihnachtsgeschenk für bayerische Gemeinden

Foto eines Mannes, der in einer Bushalte stelle wohnt
Fahrpreise so hoch wie Miete?
Foto: Anne BurgessCC-BY-SA

Der öffentliche Nahverkehr wird auch 2013 wieder teurer werden. Mittlerweile kennt man das Spielchen Fahrpreiserhöhung in vielen Verkehrsverbünden als alljährlich wiederkehrendes „Geschenk“ zum Jahresbeginn. Gigantische Metropolen wie Regensburg oder Augsburg sollen dann ähnlich anspruchsvolle Ticketpreise bekommen wie die großen europäischen Hauptstädte. Allerdings ohne die entsprechende Gegenleistung wie hohe Taktung, gut ausgebautes Nachtliniennetz oder tatsächlich Linien dort, wo sie gebraucht werden. In Nürnberg wurde 2011 sogar eine 30-prozentige Fahrpreiserhöhung bis 2015 beschlossen.

Die Begründung ist wie immer steigende Personalkosten. Und vor allem ist die Fahrpreiserhöhung wie immer alternativlos. Also, entweder die Bürger zahlen, heißt es nun in Regensburg, Augsburg und Nürnberg, oder die regionalen Nahverkehrsbetriebe drohen unverhohlen mit Gewalt am Streckennetz. Der ÖPNV als Geisel.

Dabei ist es kein Geheimnis, dass der ticketbasierte Nahverkehr schon längst gestorben ist und sich nur noch weigert, still ins Grab zu steigen. Regensburg bekleidet hier den alljährlichen peinlichen Spitzenplatz des maroden Verkehrsbetriebes: der Verkehrsverbund ist so defizitär, dass er mittlerweile Millionenverluste einfährt und mit anderen Einnahmen städtischer Unternehmen quersubventioniert werden muss.

Der Nahverkehr ist eines der wichtigsten Infrastrukturangebote einer Gemeinde. Er ist umweltschonend, platzsparend und sozial. Er bestimmt unser tägliches Leben wesentlich mit. Und es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen sich diese Notwendigkeit eines urbanen, modernen Lebens nicht mehr leisten können. Zumal Sozialtickets leider keine Selbstverständlichkeit sind. In Nürnberg kostet das billigste Monatsticket immer noch mehr als im Regelsatz des Arbeitslosengeldes 2 für Mobilität vorgesehen ist.

Machen wir es doch fahrscheinlos. Busflatrate für alle!

Fahrscheinlos bedeutet, dass der regionale Nahverkehr über eine Pauschalabgabe finanziert wird, die alle Bürger_innen in den Gemeinden solidarisch tätigen. Das ist gar nicht mal so revolutionär wie es klingt, werden doch schon jetzt mehr als die Hälfte der Kosten für den ÖPNV aus Steuern bezahlt.

Eine Busflatrate stellt den Nahverkehr auf solide finanzielle Füße und sorgt gleichzeitig dafür, dass Kapazitäten ausgebaut, Investitionen getätigt und infrastrukturelle Bedürfnisse befriedigt werden können. Zusammen mit einer stärkeren Einbeziehung der Bürger_innen bei der Weiterentwicklung des Nahverkehrs wird die Nutzung des ÖPNV ansteigen. Das wird sich wiederum positiv auf den Autoverkehr in den Innenstädten bemerkbar machen und die Lebensqualität für alle steigt. Beispiele für gibt es bereits: Hasselt in Belgien. Ein fahrscheinloser ÖPNV ist also kein Hirngespinst – sondern machbar!

Alles was braucht ist ein bisschen Mut. Also, liebe bayerische Gemeinden, habt Mut. Führt die Busflatrate ein.

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Tina Lorenz geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

2 Kommentare zu “Fahrpreiserhöhung für Nahverkehr als Weihnachtsgeschenk für bayerische Gemeinden

  1. Auch wenn ich großer Fan des fahrscheinlosen ÖPNVs bin, teile ich die Einschätzung „Dabei ist es kein Geheimnis, dass der ticketbasierte Nahverkehr schon längst gestorben ist und sich nur noch weigert, still ins Grab zu steigen. “ nicht: Andere Städte, allen voran Freiburg, zeigen das es andere, bessere Wege gibt.
    In Freiburg wurden vor Jahrzehnten die Strategie gewechselt: die Preise (insbesondere für Monatskarten) wurden gesenkt statt angehoben – das Defizit ist langfristig stabil und sogar zurückgegangen, die Nutzung dafür hat zugenommen. In Würzburg hieß es, der Freiburger Weg sei unmöglich: Die Fahrgastzahlen in Würzburg stagnieren, dafür hat das Defizit zugenommen.
    Die Frage für mich ist jetzt: Welche Rolle spielte bei dieser Entscheidung Dummheit bzw. Nichtwissen, und welche Rolle spielte der Wunsch einen weniger attraktiven ÖPNV zu erreichen, um den (Regierungs-)Freunden in der Automobilindustrie bessere Verkaufszahlen zu verschaffen?

  2. Ist ja ein tolles „Weihnachtsgeschenk“ 🙁

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.