Lokale Bürgerblogs sind wichtig. Hier sind oft Menschen engagiert, die weit vorausschauen, Missstände aufdecken und anprangern. Etwas Ähnliches schaffte auch MeinKitzingen.de, als dort aufgedeckt wurde, dass die Webseiten der Nachbargemeinden Biebelried und Sulzfeld durch den nicht direkt ausbildungsbestimmten Einsatz von Azubis erstellt wurden.
In Kurzform zusammengefasst berichtete MeinKitzingen.de darüber, dass der Verein „Förderverein für regionale Entwicklung e.V.“ sich als kostenloser Ersteller von Webseiten anbietet. Doch da 3000 Webseiten in der Referenzliste dieses Vereins waren, kamen MeinKitzingen.de Zweifel an der Finanzierung auf.
MeinKitzingen.de recherchierte daraufhin, dass der Förderverein nur der Lockvogel für die Kommunen ist, um überhaupt bei der Webseite zum Zug zu kommen. Der Förderverein argumentiert mit sozialem Engagement bei der Ausbildung und dürfte mit dieser Masche die lokal ansässigen IT-Unternehmen ausstechen.
Doch der Verein ist eng verstrickt mit der Potsdamer PortUNA GmbH. Dadurch wird den Kommunen und Institutionen, die über den Förderverein eine kostenlose Webseite bestellen, gleich das Content Management System (CMS) von PortUNA untergeschoben. Dieses CMS läuft auf den Servern der PortUNA GmbH. Damit ist es möglich, beim Hosting einen leicht überzogenen Preis zu nehmen und die kostenlose Erstellung der Webseite zu rekompensieren.
Sobald ein Interessent eine Webseite beauftragt, übernehmen nur Azubis die Arbeit. Für einen Anwendungsentwickler-Azubi ist es eine stupide Arbeit, ein CMS mit Inhalten zu füttern. Für einen Grafiker-Azubi ist es eine stupide Tätigkeit, nur ein paar Bilder und Farbwerte einzustellen. Und für keinen Azubi ist es zulässig, Zielvorgaben gesetzt zu bekommen. Und das krasse Missverhältnis von zehn Azubis pro Angestelltem spricht außerdem Bände über die tatsächliche Ausbildungssituation.
Diese Recherche zeigt, wie wenig Kontrolle öffentliche Stellen gegen die Ausbeutung teilweise nicht-volljähriger Azubis bei ihren Beauftragungen ausüben. Sie zeigt auch, wie wenig Kenntnis Beamte von Geschäftsmodellen haben und wie wenig sie technische Geschäfte umreißen können. Wäre Bayern wirklich der Laptop- und Lederhosen-Staat, wäre dieses Malheur den bayrischen Kommunen nicht passiert. Es wird sich zeigen, ob und wie die betroffenen Kommunen daraus lernen werden.
Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Andreas Witte geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.


6 Kommentare zu “Kostenlos-Mentalität öffentlicher Stellen zu Lasten von Auszubildenden”