Man müsste Klavier spielen können

Foto eines Kindes an einem Play Me Piano (Ed Yourdon - CC-BY-NC-SA)

Der Telemedicus Aprilscherz aus dem Jahre 2010 hatte gesessen. Zu selbstverständlich mutete der angebliche GEMA-Tarif für Blockflöten und andere Kindergarteninstrumente an. Millionen Blockflöten, Klanghölzer und Xylophone als neue Geldquelle für die GEMA, denn das Repertoire der Kinder von „Hänschen klein“ bis „Bruder Jakob“ wird auch von der GEMA treuhänderisch verwaltet, auch wenn zu Lebzeiten der Urheber und Erben der Begriff Verwertungsgesellschaft noch nicht erfunden war.

Der Aprilscherz saß trotzdem tief, denn die Tarifreform für Kinderlieder beziehungsweise ihre konzertanten Aufführungen machte 2010 die Runde. Zwar übernahm der Freistaat großmütig und medienwirksam diese Pauschale für die bayerischen Kindergärten, um sie dann schnell ein paar Wochen später restlos auf die Kommunen umzulegen, doch die Fragwürdigkeit dieses Tarifs blieb bestehen. Die Musikpiraten verlegten mit „Kinder wollen singen“ ein GEMA-freies Notenbuch für Kindergärten, das sich bis heute großer Beliebtheit erfreut.

Die GEMA kümmert es wenig und sammelt weiterhin fleißig Gebühren für Volksgut, reicht sie an die Verwertungsgesellschaft Musikedition weiter, die größtenteils aus Musikverlegern von Schulnoten, Klassik und Kinderliedern besteht und die sich über den halbjährlichen Geldsegen freut. Soweit, so schlecht, es geht noch schlechter:

In der Kulturstadt München steht nicht nur ein Hofbräuhaus, das kräftig GEMA-Gebühren abdrücken muss, sondern neuerdings auch 14 Klaviere. Das Projekt zu mehr Miteinander, spontanem Musizieren und Kommunizieren hat die GEMA-Agenten auf den Plan gerufen, die sich sonst auch in Sexkabinen und auf Beerdigungen herumdrücken, um illegale Musikaufführungen ausfindig zu machen.

Auf den Klavieren könne ja ein Repertoire, das zur GEMA gehört, aufgeführt werden und daher sei man befugt, eine Pauschale einzufordern. So bleibt dem Initiator dieser kreativen Idee nichts anderes übrig als dafür ein paar Tausend Euro abzudrücken, die dann sicher den Autoren der auf den Klavieren gespielten Werke zugute kommen. Sicher nicht!

So bleibt mir nur noch, die GEMA auf eine weitere Geldquelle hinzuweisen. Bierflaschen und sonstiges Leergut im öffentlichen Raum ist die Geldquelle der Zukunft. Je nach Füllstand kann man der Flasche einen anderen Ton entlocken. Mit drei Flaschen, respektive drei Akkorden sollte bereits das Repertoire der GEMA-lizenzierten Punkmusik zu bewerkstelligen sein. Auf geht’s!

Falls es die GEMA noch leichter will: Ab Geburt eine pro-Kopf-GEMA-Gebühr, denn jeder Mensch ist ein potentieller Klangkörper, der in der Öffentlichkeit klingt, tönt und spricht. Wie wollt ihr das begründen, ist ja nicht sicher, dass es sich immer nur um GEMA-Repertoire handelt? Kleiner Tip: GEMA-Vermutung – die lässt euch auch schon heute Millionenbeträge vermuten, veranschlagen und einsammeln.

Foto: Jim GordonCC-BY-NC-SA

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Bruno Kramm geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.


Kommentare

3 Kommentare zu Man müsste Klavier spielen können

  1. agtrier schrieb am

    Wenn ich ein herrenloses Klavier sehe, spiele ich auch gerne – aber nur GEMA-freies, weil spontan improvisierte disharmonische Zwölftonmusik (in anderen Worten: ich kann’s nicht 😉 … Wenn die GEMA trotzdem Geld dafür haben möchte, sollte sie bitte vorher die Klavierstunden sponsoren.

  2. Bernd schrieb am

    Die Klaviergeschichte ist auf keinen Fall absurder als die Zwangsabgabe auf Speichermedien und aus Sicht der GEMA nur konsequent. So ist das nunmal in Deutschland, für die üblen Verbrecher gilt ab einer bestimmten Schadenshöhe / abhängig vom Amt, bzw der Lebensleistung im Zweifel die Unschuldvermutung, für den gemeinen Bürger dafür aber die GEMA-Vermutung.

  3. Sascha schrieb am

    Ich finde es eine frechheit das die GEMA überhaupt solche Ansprüche stellt. Meiner Meinung nach sind das grobe Einschnitte in die Menschenrechte und sollte daher verboten werden. Wie oben schon geschrieben kommt das ganze langsam aber sicher einer pro Kopf Pauschale nahe.
    Nur das erkennt natürlich keiner unserer heiss geliebten cdu csu politiker weil sie nur die zahlen auf ihrem kontostand sehen … Natürlich nur spenden an einer der hunderten kleinen unterfirmen jeder parteien…
    Alles nur geldmacherei, abzockerei und nix als betrügerei unserer „gewählten Anführer“

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Bruno Kramm fungiert bei der Piratenpartei Deutschland als Beauftragter für das Urheberrecht und in Bayern als politischer Geschäftsführer und Spitzenkandidat zur Bundestagswahl.

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