Was ist das mit Deutschland und der katholischen Kirche?

Rachel Titiriga - CC-BY-SA-NC

Die jüngsten Ereignisse in Köln, in der einer mutmaßlich vergewaltigten Frau eine Untersuchung aus religiös-moralischen Gründen versagt blieb, schockieren mich zutiefst.

Die katholische Kirche zwingt Ärzten in „ihren“ Kliniken (die doch hauptsächlich aus öffentlichen Mitteln finanziert werden) auf, keine Beratungsgespräche über die sogenannte „Pille danach“ zu führen, geschweige denn, sie zu verschreiben.
Nun spricht die katholische Kirche von einem Missverständnis. Das Verbot der „Pille danach“ schließe nicht mit ein, dass keine Untersuchung erfolgen dürfe. Die Ärzte hätten das falsch ausgelegt.

Was für ein Klima muss in einem katholischen Krankenhaus herrschen, wenn sich Ärzte aufgrund von kirchlichen Vorschriften gezwungen sehen, quasi den hippokratischen Eid zu brechen, also gegen ihre Berufsordnung verstoßen? Die junge Frau bedurfte keiner Behandlung, sodass das Krankenhaus keine strafrechtlichen Folgen zu befürchten hat. Doch der jungen Frau ist von einem katholischen Krankenhaus Leid angetan worden. In einer psychischen Notsituation ist ihr Hilfe verweigert worden. Es ist zu befürchten, dass es ihr erlittenes Trauma verschärft, das Gefühl der Hilflosigkeit potenziert. Außerdem musste die behandelnde Ärztin gegen ihre Berufsordnung verstoßen, entweder aus Angst oder weil sie etwas „missverstanden“ hatte , aber es ist geschehen, mit all seinen Folgen.

Die Piratenpartei Bayern hat auf ihrem Landesparteitag am 12.01.2013 ein Positionspapier beschlossen, das sich für eine Einschränkung des kirchlichen Arbeitsrechts ausspricht:

Wir fordern daher, dass staatlich geförderte Einrichtungen (Altenheime, Krankenhäuser, Kitas, etc), die mit der Wahrnehmung von gemeinnützigen Aufgaben betraut sind und sich auch vorwiegend über staatliche Mittel finanzieren, nur noch dann Geldmittel erhalten, wenn in ihnen das allgemeine Arbeitsrecht Anwendung findet und Mitarbeiter dort diskriminierungsfrei in Hinsicht auf Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung und Lebenswandel gleich behandelt werden.

Was ist das mit Deutschland und der katholischen Kirche? Warum muss eine demokratische Partei in Deutschland dies überhaupt fordern? Warum ist es nicht selbstverständlich, dass sich die katholische Kirche in Deutschland ausschließlich an weltliches Arbeitsrecht halten muss? Warum genießt diese Glaubensgemeinschaft in Deutschland diesbezüglich einen Sonderstatus? Im Jahre 2013 nach Christus?

Gerade im Hinblick auf die ebenfalls aktuelle Diskussion über die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ist es mir absolut unbegreiflich, warum ein Rechtsstaat nicht auf die Einhaltung seiner Regeln pocht, sondern diese Glaubensrichtung in immensem Maße finanziell unterstützt.
Die katholische Kirche zeigt durch ihr aktuelles Verhalten, dass sie immer noch Frauen als nicht gleichwertig betrachtet. Des Weiteren lässt das Handeln der Mitarbeiter darauf schließen, dass das Jahrhunderte alte System der Unterdrückung immer noch bestens funktioniert und gerade in Deutschland auf sehr fruchtbaren Boden fällt.

Symbolbild: Rachel TitirigaCC-BY-NC-SA

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Marion Ellen geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.


Kommentare

2 Kommentare zu Was ist das mit Deutschland und der katholischen Kirche?

  1. Gondrino schrieb am

    Es gibt meiner Meinung nach keinen Grund mehr, den Glaubensgemeinschaften auf dem Gebiet des Arbeitsrechts Sonderrechte einzuräumen. Die Religionsfreiheit ist zu schützen. Das heißt jedoch nicht, dass diese Institutionen außerhalb unserer Verfassung stehen. (siehe auch Beschneidungsgesetz).

    Trennung von Staat und Kirche! Jetzt!

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Informationen

Marion Ellen

Kontakt

Sie kandidierte für den Bezirkstag in Oberbayern und war von 2013 -2015 Mitglied im Landesvorstand Bayern. Aktuell ist sie die Pressesprecherin des Landesverbandes

Die Seite durchsuchen.

Suche

in