Bayern Kommentar Politik Topthema

GEMA-Troopers in Space

Jim Trodel - CC-BY-SA

Unendliche Weiten, das atemberaubende Panorama der Milchstraße, die stumme, Milliarden Jahre alte Illumination der Galaxien, die uns als einen kleinen Zweig eines Apfelmännchens erscheinen lassen. Unsere Kraft zu staunen ist so mächtig wie der Wille, dieses Universum zu begreifen. Was wäre diese Schönheit ohne Gegenwart eines der ästhetischen Bewunderung fähigen Betrachters?

Gäbe es diese Gedanken überhaupt ohne die Space Night?

Bamm – plötzlich reißt uns sogar hier die GEMA mit ihren Forderungen aus dem Tagträumen. Es droht das ungeheuerliche Aus für eine Institution des Fernsehens: die Space Night.

Denn die neue Tarifforderung der GEMA hätte unter anderem die Konsequenz, dass die Space Night für den BR nicht mehr rentabel wäre. Natürlich stellt sich sofort die Frage nach den wirklichen Gründen: Wenn die Haushaltsabgabe ein großes Plus an Gebühren erwirtschaftet, wieso reicht es dann nicht mehr für die Space Night? Oder liegt es einfach daran, dass die Intendanz den Wert der Space Night nicht einzuschätzen weiß? Oder sind die gerade erst mit der GEMA intransparent ausgehandelten Tarife wirklich so hoch, wie der siebenstellige Betrag vermuten lässt? Hat sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Tarifpoker fast schon sträflich leicht über den Tisch ziehen lassen? Und welche anderen Formate sind von einem finanziell bedingten Aus durch die GEMA-Tarife betroffen?

All diese Fragen sind jetzt erst einmal gleichgültig, denn der Vorschlag, der aus der Mitte des Netzes kam, hat revolutionäre Sprengkraft und trägt erste Früchte. Wenn unsere Sendeanstalten, so wie jetzt der BR im Falle der Space Night, ein klares Signal für die Unterlegung mit GEMA-freier Musik geben würden, könnte davon endlich die viel erhoffte Stärkung des „Open“-Gedankens in der Mitte der Gesellschaft Wurzeln schlagen.

Denn die größte Problematik stellt nach wie vor die Akzeptanz für Creative Commons dar. Von vielen Verbänden als Gratis- und Ramschsiegel abgetan, fällt es ähnlich schwer, die freien Lizenzen zu etablieren wie den Gedanken loszuwerden, bei Crowdfunding handele es sich um Almosen. Gerade jene Verwerter und Verbände trommeln besonders laut gegen offene Lizenzen, die ihr Geschäftsmodell auf Beteiligungen an GEMA-Tantiemen gebaut haben. Die Zunft der Verleger, die schon lange keine Musiknoten mehr druckt, existiert nur dank eines satten 40%-Anteils an GEMA-Tantiemen ihrer vertraglich gebundenen Urheber. So belaufen sich die im Jahr an die Verleger ausgeschütteten Erlöse auf ungefähr 300 Millionen Euro.

All den Urhebern, die jetzt glauben, diskreditiert zu werden – egal, ob GEMA-Mitglied oder nicht – Erfolg stellt sich nur ein, wenn die Message ankommt. Wer per Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht, hat nun eine weitere Plattform, um seine Message zu verbreiten: die Space Night.

Und gerade die jüngste Vergangenheit beweist: Creative-Commons-Musiker können immer öfter von den Früchten ihrer Werke leben.
Symbolbild Jim TrodelCC-BY-SA
Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Bruno Gert Kramm geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

2 Kommentare zu “GEMA-Troopers in Space

  1. A. Nonymous

    Schön wär’s gewesen, aber der BR hat sich mit der GEMA „geeinigt“.

    http://www.br.de/pressestelle/inhalt/pressemitteilungen/spacenight-100.html

    einen Präzedenzfall zu verhindern, hat sich die GEMA sicher einiges kosten lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.