Das Kreuz mit dem kreuz (dot net)

Foto: Ðeni - CC-BY

Als Betroffener kann man einfach nicht anders, es ist wie mit dem berühmten dreibeinigen Hund, man kann einfach nicht anders als hinsehen. So ergeht es mir mit kreuz.net, eigentlich will man dort nicht lesen, aber andererseits muss man – um sich auf die neuesten Attacken der Homophoben-Liga vorzubereiten.

Entsprechend habe ich mit Genugtuung die neueste Berichterstattung über kreuz.net verfolgt. Erst die Meldung von Spiegel-Online, dass fünf der Autoren von kreuz.net identifiziert werden konnten. Neben vier anderen Personen, die nur als hochrangige Vertreter der katholischen Kirche bezeichnet wurden, wurde nun der fünfte Schmierfink namentlich benannt: ein katholischer Priester aus der Diözese Mainz.

Wie gesagt, erste Genugtuung. Was dabei jedoch wiederum extrem wütend macht, ist die Tatsache, dass diese Namen von einer privaten Organisation um den Theologen David Berger namens stopptkreuz.net ermittelt wurden. Ja genau, eine private Organisation. Zwar hat mittlerweile die Berliner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen und auch der Bundesverfassungsschutz ist tätig geworden, aber seltsamerweise erst auf energisches Drängen von Betroffenen. Was noch seltsamer erscheint, aus Bayern vernimmt man nur ein leises Pfeifen des Windes, während eine einsame Wüstenhexe durchs Bild rollt.

Dabei hätte gerade auch Bayern und speziell die Partei mit dem „C“ im Namen ein gesteigertes Interesse die Hintermänner von kreuz.net ausfindig zu machen. So titelte kreuz.net im Juni 2010 „Bistum Augsburg: Sie wollen den Totalen Krieg“[1] oder „Bischof Walter Mixa muß vergast werden“[2] im April 2010 – man echauffierte sich darüber, dass es die Gesellschaft nicht passend fand, dass Walter Mixa die Prügelstrafe in der Erziehung nutzte.

Andere wesentlich heftigere Artikel möchte ich nicht zitieren, da bereits die bestehenden Zitate hart an der Grenze der Volksverhetzung sind. Schon hier stellt sich die Frage, warum sind keine bayerischen Behörden tätig, obwohl eindeutig in bayerischen Gewässern gefischt wird.

Aber auch die Partei mit dem „C“, also eine der Regierungsfraktionen, kommt immer wieder auf kreuz.net vor. So feiert kreuz.net einen CSU-Politiker für seine Aussagen über die „aggressive und intolerante“ Homo-Lobby[3] und beschwert sich später darüber, dass dieser gstandene Politiker von seiner Partei nicht wieder aufgestellt wird[4].

Solche Artikel gehören scheinbar zum Brot- und Buttergeschäft von kreuz.net. Pikant wird es jedoch, wenn man folgenden Absatz im Artikel[5] liest:

Der hat sein Familienleben nicht im Griff
Seehofer schloß im Jahre 1974 eine Zivilheirat mit einer Protestantin. Vier Jahre später erfolgte eine kirchliche Trauung. Die Ehe wurde im Jahr 1982 geschieden. Im Dezember 1985 verkuppelte sich Seehofer mit Karin Stark (54). Im Jahr 2006 schwängerte er zusätzlich ein Flittchen, das ihm im Frühjahr 2007 ein Mädchen gebar.

Ein direkter Angriff auf den Ministerpräsidenten selbst, warum ist keiner der bayerischen Staatsanwälte tätig, warum ist „die beste Verfassungsschutz, die wo es geben tut von die Welt“ nicht hinter kreuz.net her?

Filesharer werden mit Bayern- und Bundestrojaner gejagt. Verfassungsschutz und BND lesen täglich und ohne jeden Gerichtsbeschluß hunderte von E-Mails mit und trotzdem wurden die ersten Täter von kreuz.net durch die mühsamen Recherchen von stopptkreuz.net entlarvt. Wohlgemerkt ohne die oben angegebenen Hilfsmittel, also so viel zum Thema: „Das braucht man unbedingt um Terroristen dingfest zu machen.“

Obwohl hier eindeutig gegen bayerische Politiker und sonstige Personen des öffentlichen Lebens mit teilweise menschenverachtender Diktion vorgegangen wird, kommen die Ermittlungsergebnisse nicht von bayerischen Behörden, sondern von einer Privatorganisation. Schnell erinnert man sich an die Sonderermittlungsgruppe „Bosporus“ oder an den Fall Mollath oder aber an die Vergangenheit, als gewisse Familienmitglieder von ehemaligen Ministerpräsidenten per Weisung aus dem Ministerium aus der Ermittlung entlassen wurden.

Besonders pikant, ebenfalls von der Organisation um David Berger wurde bereits ermittelt, dass es enge Kontakte von kreuz.net zu ProKöln und ProNRW sowie den Pro-Dachverband gibt. Wiederum ermittelt von einer privaten Organisation und nicht vom Verfassungsschutz. Also eine Plattform, die mit Neonazis in Verbindung gebracht wird, wird nicht vom bayerischen Verfassungsschutz überwacht.

Wenn wir unbedingt einen Verfassungschutz brauchen, der alles mitlesen muss, warum wurden die ersten fünf Hintermänner von kreuz.net und die Verbindung zur Pro-Bewegung von einer Privatorganisation aufgedeckt? Wird uns hier nicht von ein paar Überwachungsfanatikern ständig ein Lügenmärchen aufgetischt?

Aber auch in Richtung der bayerischen Politik selber stellen sich Fragen: Will die Staatsregierung nicht gegen kreuz.net vorgehen? Wenn ja, warum? Will man vielleicht den einen oder anderen Wähler nicht verschrecken? Oder gibt es Strömungen innerhalb der bayerischen Politik, die vielleicht sogar insgeheim konform mit dem Gedankengut von kreuz.net gehen?

Wäre das alles nicht so bitter ernst, man könnte es für eine übermäßig schlechte Satire halten. Einer der vielen „denkwürdigen“ Momente in der bayerischen Politik.

[1]URL: kreuz.net/article.11369.html
[2]URL: kreuz.net/article.11017.html
[3]URL: kreuz.net/article.15771.html
[4]URL: kreuz.net/article.15961.html
[5]ULR: kreuz.net/article.15313.html

Notiz: Diese Quellenangabe mag ungewöhntlich sein und dem Webstandard nicht entsprechen – allerdings weigere ich mich, auf solche Seiten zu verlinken.

Foto: ÐeniCC-BY-NC
Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Bernd Kasperidus geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.


Kommentare

3 Kommentare zu Das Kreuz mit dem kreuz (dot net)

    • Alucard_H schrieb am

      An dieser Stelle möchte ich auch noch dem Youtuber „LeFloid“ danken, welcher auch um die Umstände dieser Seite aufmerksam gemacht hat.

      LG

  1. Anonymous schrieb am

    Es ist wahr. Der Verfassungsschutz schützt die Verfassung genausosehr wie ein Zitronenfalter Zitronen faltet. Ich habe es zuerst nicht glauben wollen – aber inzwischen bin ich davon überzeugt.

    Ich habe den Eindruck, dass Rechtsextreme und Geheimdienste in unserem Land inzwischen so sehr miteinander verflochten sind, dass man nicht mehr klar sagen kann, wer hier eigentlich wen unterwandert hat. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass unsere Regierung die Existenz der Neonazis zu ihrem eigenen Vorteil schamlos ausnutzt. Ein Schelm, wer böses dabei denkt!

    „Krieg ist Frieden.“ (George Orwell, 1984)

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Bernd ist 42 Jahre und wohnhaft in Bamberg und ist Leidenschaftlicher Verfechter von Gleichstellung, Bürger- und Menschenrechte. Mehrere Jahre im Ausland geben ihm einen unverstellten Blick auf die deutsche Gesellschaft.

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