Bargeld? DIE Freiheit nehm ich mir.

Nein, es reicht offensichtlich nicht, dass einige Politiker aus CDU und SPD vehement für die (Wieder-)Einführung der Vorratsdatenspeicherung sind.
Nein, es reicht offensichtlich auch nicht, wenn der Bundesnachrichtendienst für einen amerikanischen Geheimdienst jeden ausspäht.
Nein, es reicht offensichtlich auch nicht, wenn der neue BKA-Trojaner jedwede Verschlüsselung auf dem Rechner umgehen kann.

Alles zusammen sind bereits Angriffe auf unsere persönliche Freiheit, unser Denken, unser Handeln.

Und als ob das nicht alles schon genug wäre, meldet sich jüngst der „Wirtschaftsweise“ Bofinger zu Wort und fordert ein Ende des Bargeldes [1].

Zuerst einmal wollen wir Herrn Bofinger daran erinnern, was seine Aufgabe als „Wirtschaftsweiser“ ist bzw. was auch nicht:

bargeld„Die Experten sollen nach diesem Gesetz „Fehlentwicklungen und Möglichkeiten zu deren Vermeidung aufzeigen, jedoch keine Empfehlungen für bestimmte wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen aussprechen“.

Vielleicht wäre es in diesem Kontext besser gewesen, sich zu bestimmten Themen nicht zu äußern, Herr Bofinger?

Wenn man dazu noch beachtet, dass der Sachverständigenrat auch die Bundesregierung berät, kann man schnell zu dem Schluss kommen, dass die von Herrn Bofinger vorgeschlagene Maßnahme im Kontext zu bisherigen Vorschlägen der Koalition (siehe oben) steht und nur eines zum Ziel haben kann:

Die weitere anlasslose Massenüberwachung

Des Weiteren werden hier Tatsachen ignoriert, die das bisherige Zahlungsverhalten betreffen. Und diese sind ganz eindeutig andere, als uns Herr Bofinger glauben machen will:

„Als Beispiel nannte Bofinger die verlorene Zeit, „wenn Leute vor Ihnen an der Ladenkasse nach Kleingeld suchen und die Kassiererin nach Wechselgeld“.

Ganz ehrlich Herr Bofinger, wenn diese und andere skurrile Begründungen das Einzige sind, was Ihnen dazu einfällt, dann lässt das schon tief auf die vorhandene Motivation blicken.

Noch abenteuerlicher wird es, wenn man sich die nächste Begründung Herrn Bofingers anschaut:

Fast ein Drittel des Euro-Bargelds seien 500-Euro-Scheine – „fürs Einkaufen braucht die niemand, damit wickeln lichtscheue Gestalten ihre Geschäfte ab“.

Um es mal herunterzubrechen: Wer heute mit Bargeld bezahlt, ist nach Intention dieses Sachverständigen also eine „lichtscheue Gestalt“?

Auch die Nennung der 500-Euro-Grenze macht diese „Argumentation“ nicht erträglicher, sondern lässt wiederum erkennen, dass auch hier der Boden bereitet werden soll, um mit fadenscheinigen Begründungen die Massenüberwachung zu legitimieren.

Und eine weitere Tatsache scheint der liebe Herr Bofinger völlig auszublenden: Bargeldloses Bezahlen ist bei weitem nicht so beliebt, wie er es gern hätte.

Dazu liefert übrigens eine Statistik aus dem Jahr 2014 folgende Zahlen:
80% der Transaktionen werden weiterhin über Barzahlung abgewickelt, nur ein verschwindend geringer Anteil erfolgt elektronisch (z. B. mit Kredit- oder EC-Karte bzw. Online-Bezahlsystemen).

Warum ist das so?

Für die Benutzung von Bargeld entscheiden sich die Bürgerinnen und Bürger ganz bewusst,

weil Ihnen die Freiheit, Entscheidungen selbst zu treffen lieber ist als eine staatlich verordnete Zwangsmaßnahme.

weil Ihnen ihre Freiheit, ohne Überwachung einzukaufen, wichtiger ist als ein immer weiter wuchernder Polizei- und Überwachungsstaat.

Genau aus diesem Grund haben übrigens auch die bislang durch die Medien gehypten elektronischen Bezahlsysteme via Smartphone in Deutschland kläglich versagt.

Selbst wenn wir Fitness- und Gesundheitsdaten via Wearables (Smartphones, Smartwatches) an die großen Datengiganten freiwillig zur Verfügung stellen, bleibt dies die alleinige Entscheidung des Einzelnen und nicht die eines Wirtschaftsweisen, der offensichtlich nicht sehen will, dass uns in bestimmten Aspekten unsere Freiheit doch lieber ist, als er es gerne hätte.

Der Schutz der persönlichen Daten und der Privatsphäre sind für mich unveräußerliche und unantastbare Eckpfeiler einer demokratischen Gesellschaft:
Sie sind damit auch Eckpfeiler einer freiheitlichen Gesellschaft – und damit der Freiheit des Einzelnen.

Bargeld ist somit auch ein Stück Freiheit, die ich mir nicht von einem Wirtschaftsweisen oder einem Staat nehmen lassen möchte.

Um es mit dem Werbeslogan einer bekannten Kreditkartenfirma zu sagen:

„DIE Freiheit nehm ich mir!“

[1] http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/wirtschaftsweiser-peter-bofinger-fuer-abschaffung-des-bargelds-13595593.html

Symbolbild: CC-NC-SA by Tabbo107

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Uwe Henkel geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

7 Kommentare zu “Nur Bares ist Wahres?

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