Es war einmal ein Landwirtschaftsminister, dessen Ministerium auf die Idee kam, dass jedes bayerische Kind einmal im Leben auf den Bauernhof sollte. Klar, Kinder sollten wissen, dass Kühe nicht lila sind und die Milch nicht ursprünglich aus dem Supermarkt kommt. Nur – Bayern ist ein Flächenstaat. Bayern hat Bauernhöfe und Landbevölkerung und die Annahme, dass Kinder vom Dorfe schon mal eine Kuh gesehen haben, ist nicht allzu weit hergeholt. Das bayerische Land ist so dominant, dass selbst Stadtkinder dazu tendieren, mehr Kühe zu kennen als ihnen lieb ist. Aber der Herr Brunners auf dem Hügel des Maximilianeums dachte sich: „Ach, wenn die Landkinder nicht aufs Land wollen, dann schicken wir ihnen halt ein bisschen Heu. Damit sie gleich mal wissen, für wie dämlich wir sie eigentlich halten.“ Also bekamen die Kinder Briefe vom bayerischen Landwirtschaftsministerium, die auch von einem Fünfjährigen mit ein bisschen zu enthusiastischer Naturbegeisterung hätten kommen können.
Immerhin hat sich Landwirtschaftsminister Brunners mit dieser Aktion einen Platz in der Geschichte verdient: als Anekdote, dass ein bayerischer Minister einmal Gras im Wert von 120.000 Euro durchs deutsche Postsystem an Grundschulkinder verschickt hat. Wenns auch nicht zum Rauchen war, sondern nur zum Riechen. Zeigt ja auch wieder, für was die Deutsche Post so alles gut ist.
Auch ein ehemaliges Nachrichtenmagazin amüsierte sich prächtig über Brunners Kinderheuverschickung, stellte aber ein gewagtes Rechenbeispiel auf: 62.400kg Heu auf 11.350 Briefe verteilt wären 5,5 kg Heu pro Brief gewesen.
Was kommt als nächstes, lieber Herr Brunners? Machen Sie uns Angebote, die wir besser nicht ablehnen sollen, weil Sie uns sonst Dinge mit der Post schicken, vielleicht das nächste Mal gleich eine Kuh? Also gut. Wenn es schon sein muss, hätten wir da ein paar Vorschläge, was Sie uns gerne mal schicken können:
- Gras. Aber das richtige.
- Ordentliches Bier. Bayern ist diesbezüglich ja eine Diaspora, hörten wir.
- Schweinsbraten, aber bitte warm. Wir nehmen auch Kuh in Scheiben.
Haben Sie ansonsten mal darüber nachgedacht, Eulen nach Athen zu schicken? Oder Currywurst nach Berlin? Das wäre doch reizend.
Foto: Winfried – CC-BY-NC-SA
Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Tina Lorenz geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.


6 Kommentare zu “Der liebe Onkel Brunners und die Kinderheuverschickung”