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Leuchtgrube 2: Vernetzte Mobilität (Die Geldverschwendung)

pilot_micha - CC-BY-NC

So manches, was aus dem Wirtschaftsministerium kommt, ist fragwürdig. Und fast alle Leuchttürme in dem Papier strotzen vor Buzzword-Bingo. Aber die Leuchtgrube zur Vernetzten Mobilität ist da schon ein besonderes Highlight.

In der Zukunft gewinnt die durchgängige Vernetzung von Mobilität und Verkehr eine steigende Bedeutung. Dies stellt die Automobilindustrie, die Infrastrukturbetreiber und andere Verkehrsträger wie den öffentlichen Nahverkehr, die Bahn, Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften sowie die Logistikbranche vor große Herausforderungen.

Mehr Substanz hat das Papier nicht. Kein Scherz. Gut, an anderer Stelle wird angedeutet, welche Herausforderungen denn genau gemeint sein könnten. Das Wirtschaftsministerium erkennt zwei Trends, die es dringend zu fördern gelte:

Mobilität als Service

Das Ministerium „erkennt“ den Trend, dass Autohersteller zunehmend Mobilität anstelle von Fahrzeugen verkaufen werden. Oder anders ausgedrückt: Es glaubt, die Menschen werden in Zukunft dafür bezahlen, dass Dienstleister sie von A nach B bringen. Diese Zukunft wird schon seit Jahren vorhergesagt, aber außer ein paar Pilotprojekten in Ballungsgebieten zündet das Ganze bisher einfach nicht.

Ich glaube auch nicht, dass die Automobilhersteller diese Geschäftsidee zum Erfolg bringen werden – es liegt einfach nicht ihre Kernkompetenz. Der ÖPNV wird ja auch nicht von den Busherstellern organisiert und der Zugverkehr nicht vom ICE-Hersteller Siemens.

Vor allem ist aber die Technik längst so weit, dass solche Geschäftsideen funktionieren können. Dafür bedarf es daher keiner Forschung mehr! Viel mehr bedarf eines Marktes und der dazu passenden Geschäftsmodelle. Das Forschungsgeld an dieser Stelle wird daher einfach versenkt – in einer Leuchtgrube.

Car-To-Car Kommunikation

Hier spricht das Papier wirklich ein interessantes Forschungsfeld für die Zukunft an. Allerdings forscht die Autombilindstrie schon seit über einem Jahrzehnt an dieser Technik – allen voran die deutschen Premiumhersteller. In den Luxusautos sind solche Systeme auch bereits verbaut und letztes Jahr einigte man sich auf einen Standard für die ganze Industrie.

Längst erprobte Technik ist der ständige MobilfunkInternetzugang der Automobilelektronic. Ab 2015 müssen alle Neuwagen standardmäßig mit dem Notrufsystem E-Call ausgestattet sein: Erkennt das Auto einen schweren Unfall, ruft es selbständig einen Rettungswagen. Diese Systeme sind bereits erforscht und entwickelt.

Dort jetzt Geld rein zu buttern, sorgt nur für eines: Knallharte Mitnahme der Fördermittel. Der Markt und die gesetzlichen Vorschriften sorgen jetzt bereits für genügend Innovationsdruck. Sinnvoll wäre eine Förderung nur, wenn an diese klare Ziele geknüpft wären, an der die Industrie nur ein bedingtes Eigeninteresse hat – zum Beispiel wie in diesen Systemen die informationelle Selbstbestimmung und der Datenschutz gewährleistet oder verbessert werden können.

Dahin fließt das Geld aber nicht. Das Forschungsgeld an dieser Stelle wird daher einfach versenkt – in einer Leuchtgrube.

Fazit

So bleibe ich am Ende mit dem Eindruck zurück, dass die ach so mit dem Geld sparsam haushaltende FDP und ihr Minister hier das Geld einfach unnütz versenken möchten – weil es ja für die Wirtschaft ist!

Dabei gäbe es sinnvolle Dinge, die man finanzieren könnte: Forschung an neuen Formen und Lösungen der bekannten Probleme bei der Elektromobilität. Auch ließe sich der Breitbandausbau für die Allgemeinheit und nicht nur für die Wirtschaft voranbringen.

Oder man könnte mit dem Geld sicherlich einigen Studenten die Studiengebühren bezahlen und so mit mehr Fachpersonal der Industrie helfen. Aber das würde ja tatsächlich Bayern und seinen Menschen helfen und nicht nur einzelne Wirtschaftsinteressen befriedigen.

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Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Benjamin Stöcker geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

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