Bayern

Nikolaus Brender, Revoluzer oder dringender Reformer?

Der strategische Zensurfall um den ZDF Chef ist schon ein paar Tage im Land, aber die Geschichte klingt ein wenig antiquarisch.

Es ist das 19. Jahrhundert, man stelle sich die Leute mit dicken Backenbärten und Geheimratsecken vor. Politik ist noch einfach, man kann sie als Mächtiger betreiben wie man will, so lange man keiner anderen Krähe ein Auge aushackt. Man darf sich sogar offiziell so nennen: „Geheimrat“. Journalisten sind arbeitsscheues linkes/liberales Pack, aber die Kornkammern sind gut gefüllt.

Einer dieser, ein gewisser Nikolaus Brender, will aber diese von Kaiser Wilhelm gewollte Ordnung zerstören und fordert doch tatsächlich das Politik und Lobby Ihre Anweisungen an die Presse schriftlich einreichen außerdem soll [er] zu undiplomatisch sein und sich nicht an die Spielregeln halten? Aber das ist doch genau sein Job, oder?

Ja, mag an sich als Mensch des 21. Jahrhunderts denken, das waren noch rauhe Sitten als der Anspruch an Herrschaft noch nicht grundgesetzlich, moralisch und ganz selbst verständlich nachvollziehbar, offen und transparent war.

Und dieser Brender, so geht die Anekdote weiter, will wirklich durch den Versuch der Unabhängigkeit, Staatsferne und Eigenständigkeit seine „II. Teutsche Fernsehanstalt“ mitten in das 20. Jahrhundert katapultieren? Womöglich plant er demnächst die nächste Schandtat und versucht durch kritische Abwägung, Unvoreingenommenheit, ehrlich Diskussion und freien Zugängen zu Inhalten die öffentlich rechtlichen Anstalten in das Politik- und Gesellschaftsverständniss des 21. Jahrhunderts zu befördern.

Der Fall Brender ist nicht ein Kampf um die Unabhängigkeit der Öffentlich-Rechtlichen gegenüber der Politik, sondern ein eine Chance ohne Alternative der klassischen Medien an der Informationsgesellschaft anzuschließen.

Das es mit Neutralität und echter Unabhängigkeit nicht weit her ist, mag man diesem älteren Modell verzeihen, das die öffentlich rechtlichen Medien übergroße PR Abteilungen der Herrschenden Meinung sind, ist eigentlich 50 Jahre nach der Erfindung Teflons erschreckend, aber war anzunehmen.

Brender ist kein Revolutionär, er geht einen Weg ohne den ARD/ZDF in den napolonischen Kriegen verharren würden. Und dieser Weg ist erst der erste kleine Schritt eines steinigen Grates zur aktuellen und kommenden Informationsgesellschaft; aber es ist die richtig Richtung.

Hinweis: Blogeinträge spiegeln lediglich die Meinung des Verfassers wieder und sind nicht zwingend Meinung der Piratenpartei.

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