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Killerschach in Nürnberg

Für neugierige Blicke sorgte am vergangenen Samstag ein skurriles Schauspiel in der Nürnberger Innenstadt: eine Gruppe blutüberströmter Piraten in weißen Overalls lieferte sich auf dem Ludwigsplatz ein Schachduell der anderen Art.
10 Mitglieder des bayerischen Landesverbandes warfen sich für die Aktion in Schale, sprich in die Arbeitskluft mit aufgemalter Spielfigur. Weitere Piraten dokumentierten das Geschehen und animierten die stehen gebliebenen Passanten, sich an dem blutigen Spiel zu beteiligen.
Die Position der lebenden Figuren auf dem Kreideschachbrett wurde auf einem kleinen Schachcomputer nachgestellt, so dass die Zuschauer entscheiden konnten, wer als nächstes „das Zeitliche segnen“ sollte. Viele Lacher, aber auch viel nachdenkliches Stirnrunzeln erntete schließlich das „Ableben“ ein jeder Spielfigur; mehrere Liter selbst gemixtes Kunstblut verzierten den Ludwigsplatz schon kurz nach Beginn der Aktion.
Sinn des Schauspiels war es, auf die Absurdität des geplanten Killerspielverbots aufmerksam zu machen. Lassen sich doch die Motive, die zensurfanatische Politiker einem Actionshooter unterstellen, mit ein wenig Phantasie und „gutem Willen“ auch in einem königlichen Klassiker wie Schach wieder finden – ein Vergleich, den niemand ernsthaft suchen würde, mit dessen Hilfe sich jedoch die Allmachtsphantasien eines Beckstein als solche entlarven lassen.
Entsprechend positiv fielen auch die Reaktionen der Zuschauer aus. Wie die PIRATEN zeigen wollten, waren die unterschiedlichsten Alters- und Berufsgruppen anwesend und bekundeten den Darstellern ihre moralische Unterstützung. Auch allein erziehende Mütter mit Kind blieben stehen und bestätigten, was Politiker nicht einsehen wollen: Nicht Videospiele sind es, die einen Jugendlichen austicken lassen, sondern soziale, berufliche oder familiäre Probleme. Abgesehen davon würden die vorhandenen Gesetze zum Schutz der Jugend vollkommen ausreichen, wenn sie eingehalten würden „Und außerdem“, so eine Mutter, „ist es Aufgabe der Eltern, zu kontrollieren, womit die Kinder am Monitor ihre Zeit verbringen.“
Auch von dieser Seite werden die von Seiten der Regierung angestrebten Schritte also kritisch beäugt.
Die PIRATEN jedenfalls waren wieder einmal zufrieden: „Wir haben eine Menge Leute angesprochen, positives Feedback erhalten und außerdem eine gute Show abgeliefert. Besser hätte es kaum laufen können.“, so ein Sprecher der PIRATEN.
Zeitgleich fand auf dem Berliner Alexanderplatz eine ähnliche Piratenaktion  mit durchschlagendem Erfolg statt.

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