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Tanzen, tanzen, lasst mich endlich tanzen!

C.H.R.E.C - CC-BY
C.H.R.E.C - CC-BY

Ich will tanzen, nur tanzen, lasst mich endlich tanzen, voll abgeh’n; ich will mich nur noch dreh’n!

House Rockerz ft. Unter Druck

Es ist zum Mäuse melken, Haare ausreißen – zum Verzweifeln. Eigentlich könnte man meinen, dass wir im Jahre 2013 und damit im Jahre 64 dieser Republik soweit sein müssten, dass ich tanzen darf, wann ich will.

Aber so einfach ist das nicht, vor allem nicht in Bayern. An ganzen neun Tagen im Jahr wird es mir einfach verboten. Weil ich respektvoll sein soll gegenüber anderen Religionen. Oder weil ich der Kriegstoten zu gedenken habe. Und das bitte alles auf die korrekte Art und Weise. Sein Leben zu leben, die Tatsache zu feiern, dass man noch am Leben ist, ist moralisch eben ganz und gar die falsche Art.

Gut, bald darf ich an diesen Tagen feiern. Bis zwei Uhr nachts. Zumindest wenn der Gesetzesantrag der Regierung durchgeht. Zwei Uhr nachts, das ist dann ungefähr die Zeit, in der es in einer Disko nachts so richtig anfängt, spaßig zu werden. Zwei Uhr nachts, das war zu meinen Diskozeiten der Zeitpunkt, an dem die Nacht eigentlich erst so richtig begann.

Der Treppenwitz ist, dass die FDP sich diesen „Kompromiss“ damit hat bezahlen lassen, dass Kommunen bald nicht nur Alkoholkonsumverbote, sondern auch Alkoholmitführverbote aussprechen dürfen. Im Gegenzug für sechs mal zwei Stunden Gerechtigkeit. Denn seien wir doch mal ehrlich: Welchen Trauernden, welchen Gläubigen störe ich denn, wenn ich mich um 3 Uhr nachts in der Disko in Extase tanze?

Genau – es stört wirklich niemanden. Stille Feiertage stehen für eine Moral des Zwanges anstatt des gegenseitigen Respekts. Natürlich kann ich verstehen, dass man an christlichen Feiertagen nicht direkt auf dem Kirchplatz feiert. Natürlich ist es am Volkstrauertag tabu, eine Party mitten am Tag direkt neben dem Friedhof zu feiern.

Aber im Gegenzug sollte man Menschen, die das Leben genießen wollen, ihr Leben feiern wollen, nicht verbieten, das immer dann zu tun, wenn sie niemanden damit stören. Man kann weder Trauer vorschreiben noch kann man Menschen vorschreiben, sich an die Regeln des Glaubens anderer zu halten.

So wirklich wird die Feiermeute dann um zwei Uhr nicht gehen wollen. Wenn sie überhaupt für so kurze Zeit rausgeht. Oder um es mit Laserkraft 3 D zu sagen:

Nein Mann, ich will noch nicht gehen. Ich will noch ein bisschen tanzen. Komm schon, Alter, ist doch noch nicht so spät. Lass uns noch ein bisschen tanzen.

Aber die FDP hat diesen Kuhhandel ja dringend gebraucht, um wenigstens so tun zu können als hätten sie etwas erreicht. Eine Trennung von Kirche und Tanztempel durchzusetzen wäre auch wirklich zu viel verlangt gewesen.

Symbolbild:C.H.R.E.CCC-BY

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Benjamin Stöcker geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

5 Kommentare zu “Tanzen, tanzen, lasst mich endlich tanzen!

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