Der eHighway – Eine Erfolgsgeschichte?

In Deutschland läuft die Erforschung des eHighway, der Elektrifizierung von Autobahnen, um damit LKW anzutreiben. Aber ist das Projekt überhaupt sinnvoll? Der Autor meint: Nein.
LKW sollen umweltfreundlicher werden. Derzeit wird im Rahmen eines Forschungsprojekts erprobt, wie man LKW elektronisch fahren lassen kann. Dazu ist es vorgesehen, sie zusätzlich mit einem Elektroantrieb auszustatten und zur Stromversorgung Oberleitungen auf den Autobahnen zu verlegen. Das Konzept ist nicht unbedingt neu, wird aber jetzt wieder aufgegriffen.
Große Ziele hat man sich gesetzt mit diesem Projekt: Man will den Verbrauch fossiler Brennstoffe reduzieren, die Betriebskosten für LKW senken und lokale Emissionen eliminieren.
  
Jedoch ist Stormerzeugung durch fossile Brennstoffe schmutzig. Kohle stinkt und Diesel ist eigentlich viel zu wertvoll, um durch den Motor gejagt zu werden. Allerdings wird auch Strom zu über 50% aus fossilen Brennstoffen erzeugt. Ist der Elektroantrieb wirklich sauberer und kann hier helfen?
Eine kleine Rechnung hilft uns die Antriebsarten zu vergleichen:
Um eine Strecke von 100 km zurückzulegen, muss ein durchschnittlicher LKW (30 Tonnen) eine Arbeit von ca. 125 kw/h verrichten. Dafür benötigt er derzeit etwa 30 Liter Diesel, die einen CO2-Ausstoss von ca. 75 kg CO2 verursachen.
Für eine vergleichbare Menge elektrischer Arbeit werden bei der derzeitigen Zusammensetzung deutscher Kraftwerke ca. 72 kg CO2 erzeugt.
Das ist etwas weniger als beim Antrieb mit Diesel. Wenn man noch die Verluste beim Stromtransport abzieht, wird man in etwa auf den gleichen Verbrauch kommen. Von einer Reduzierung der Umweltbelastung kann also kaum die Rede sein, insbesondere wenn man noch die Kosten und Umweltbelastung durch den Aufbau des Stromnetzes entlang der Autobahnen berücksichtigt. Nicht vergessen darf man auch, dass derartige LKW zusätzlichen Strom ziehen, der erst noch erzeugt werden muss. Dies müsste kurzfristig mit fossilen Brennstoffen abgefangen werden, da entsprechende Leistung bei den erneuerbaren Energien erst aufgebaut werden muss.
Wenn also durch den eHighway der Strombedarf steigt, müsste dieser entweder aus fossilen Brennstoffen erzeugt oder aus dem Ausland zugekauft werden. Bis der Anteil an Windkraft (dem Löwenanteil bei erneuerbaren Energien) entsprechend erhöht wird, bringt uns der eHighway also keine frische Luft.
Das Leitargument, die Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe, macht also nicht viel her. Doch sobald der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung deutlich erhöht wird, könnte sich das ändern. In dem Zusammenhang kann man auch den Pilotversuch in Schweden betrachten, dort wird der Strom durch Atomkraft und erneuerbare Energien erzeugt. Fossile Brennstoffe spielen eine untergeordnete Rolle.
Das zweite Argument ist, die Betriebskosten für LKW zu senken. Allerdings ist das einzige Bauteil, das beim Umschalten auf Elektroantrieb möglicherweise geschont wird und dessen Betriebskosten also sinken könnten, der Dieselmotor. Dafür hat man ein zweites Antriebssystem, das, ebenso wie Stromabnehmer und Leitungen, gewartet werden muss. Auch diese Rechnung will mir nicht so wirklich aufgehen.
Das dritte Argument zielt auf die Reduzierung von lokalen Emissionen. Das ist zweifelsohne richtig. Ein LKW mit Elektroantrieb verursacht auf der Autobahn deutlich weniger Dreck als einer mit Dieselantrieb. Nun ist den Verantwortlichen vielleicht noch nicht aufgefallen, dass Autobahnen nicht allzu dicht besiedelt sind. In der Umgebung von Kraftwerken findet man in der Regel zwar auch keine Städte, aber durchaus größere Ansiedlungen als an Autobahnen.
Das Konzept nimmt den Dreck also aus der unbebauten Landschaft und bringt ihn konzentriert zu den Bürgern.
In Ländern mit einer anderen Stromerzeugungsstruktur, wie Norwegen (fast ausschließlich Wasserkraft) oder Frankreich (70% Atomkraft), könnte dieses Konzept durchaus funktionieren. In Deutschland, wo immer noch über 50% des Stroms aus fossilen Energien gewonnen werden, benötigt es zunächst einmal ein Konzept, wie der durch den eHighway steigende Energiebedarf umweltfreundlich gedeckt werden kann. Bis dahin sollten wir bitteschön die Finger davon lassen.

Kommentare

Ein Kommentar zu Der eHighway – Eine Erfolgsgeschichte?

  1. Ja,das Konzept macht mit fossil erzeugtem Strom keinen Sinn, überhaupt keine Frage.

    Sollte der Strom aber durch Photovoltaik oder Biomasse erzeugbar sein, wäre es eine deutliche Entlastung für die Umwelt.
    Sicher, für die hierfür notwendige umweltschonende Stromerzeugung müssten erst neue Kapazitäten geschaffen werden, aber eine Elektrifizierung der Strecken geschieht ja auch nicht über Nacht und die Stromerzeugung kann in einem entsprechenden Konzept auch zeitgleich mit entwickelt werden.
    Dies würde allerdings eine umfassendere und weitreichendere Planung des Projekts benötigen,als sie wohl derzeit auf der Agenda ist.

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Dietmar Hölscher

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Dietmar Hölscher ist der Vorsitzende des Landesvorstands Bayern

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