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Hauptsache Volksbegehren? Eine neue Schule braucht das Land!

Kurt Forstner - gemeinfrei
Kurt Forstner - gemeinfrei

Nach dem Erfolg des Volksbegehrens gegen Studiengebühren haben die Freien Wähler Blut geleckt und überlegen bereits, ein weiteres Volksbegehren zu starten. Ziel diesmal: Wahlfreiheit für Schüler zwischen dem acht- und neunjährigen Gymnasium (G8/G9).

Wie das im Detail funktionieren soll, erklären die Freien Wähler nicht. Muss auch nicht sein, denn den Freien Wählern geht es nicht vorrangig um die Sache. Sie wollen vielmehr das Mittel „Volksbegehren“ dazu nutzen, um populistisch Wahlkampf zu betreiben.

Dabei wäre eine Reform des Schulbetriebes dringend nötig! Wir müssen weg vom historischen dreigliedrigen Schulsystem; wir müssen vielmehr zu einem Schulsystem mit flüssiger Schullaufbahn finden.

Wir wollen eine Institution Schule, die auf die Schüler individuell eingehen kann und die flexibel auf individuelle Leistungsschwankungen reagiert. Kurz: Wir brauchen ein Schulsystem ohne Sitzenbleiben und ohne sozialen Bildungsdruck!

Die Konzepte dazu sind bereits alle da. Und selbst die CSU führt diese ja schon in einzelnen Bereichen – Stichwort flexible Grundschule – ein.

Diese ersten zarten Schritte gilt es zu einer Schulreform aus einem Guss zusammenzuführen: einer Reform, die endlich Schluss macht mit dem Wirr-Warr der verschiedenen Schulformen; einer Reform, die den Weg frei macht für ein Konzept unterschiedlicher und flexibler (Lern-)Geschwindigkeiten.

So eine Schulreform kann aber nur funktionieren, wenn man sie mit Ruhe anpackt und dabei alle Parteien und Verbände an einen Tisch holt. Dieser Wahlkampf soll nicht auf dem Rücken von bayerischen Kindern und Jugendlichen geführt werden, auch wenn die Freien Wähler genau das anstreben. Eine Schulreform braucht Zeit und zwar mehr Zeit als nur eine Legislaturperiode. Hau-Ruck-Aktionen wie bei der Einführung des G8 sind sinnlos, wenn sie ohne langfristiges Konzept gemacht werden.

Ich hätte nichts gegen ein Volksbegehren als Richtungsentscheid über die Schulpolitik der Zukunft. Dabei sollten allerdings nicht populistische Forderungen aufs Tablett, sondern gleich über das große Ganze entschieden werden.

Leider ist das Instrument Volksbegehren für solche grundlegenden Entscheidungen nicht gedacht, sondern nur für konkrete Gesetzesvorhaben. Vielleicht wäre ein Volksbegehren zum Ändern von Volksbegehren daher im ersten Schritt sinnvoller.

Symbolfoto: Kurt Forstner – Gemeinfrei

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Benjamin Stöcker geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

2 Kommentare zu “Hauptsache Volksbegehren? Eine neue Schule braucht das Land!

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