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Leuchtgrube 8: Digitalisierung im Handel, Handwerk und Tourismus (SRSLY?)

Foto: César Astudillo - CC-BY-NC
Foto: César Astudillo - CC-BY-NC

Dieser Punkt in der Leuchtturmserie ist so herzergreifend süß, dass man fast kurz seufzen möchte ob der Naivität, die dahintersteckt. Die Idee ist kurz skizziert: eCommerce boomt.

Deshalb sollen möglichst alle Branchen davon profitieren. Vor allem der Tourismus – denn wir in Bayern teilen gerne unsere Wahrzeichen, unberührte Landschaft und einfachen Bräuche mit gut zahlenden Touristen, so sie denn wirklich solvent sind und vor allem, wenn sie auch wieder gehen – , der Handel – wenn wir schon Wurstautomaten haben, was hindert uns daran, bayerische Traditionsware auch im Internet zu verticken? – und das Handwerk – denn seien wir ehrlich – wer von uns träumt nicht von der Klempner-App!

Überhaupt die Apps. Offenbar eine Lieblingsidee der Textverfasser, denn auch der Tourismus soll nämlich eine eigene App bekommen, eine Bayern-App. Smartphone und Lederhose, vereint in einem Stück Software. Wie heimelig. Was indes Inhalt dieser allumfassenden Bayern-App sein soll, erschließt sich nicht aus dem Papier: Schlösserfinder? Bierführer? Wissensspiel zur bayerischen Verfassung, zusammen mit dem aktuellen Biergartenwetterbericht?

Und als wäre das noch nicht genug, werden Tourismusbranche, Handel und Handwerk qua Beschluss kollektiv zum Nachsitzen geschickt: Bildungsgutscheine soll es geben, Seminare und Schulungen. Suchmaschinenoptimierung für die einen, Webseitenbaukurse für die anderen.

Dass natürlich die touristisch schönsten Flecken Bayerns mitunter auch die abgelegensten sind und nicht jeder Handwerker das Glück hat, in einem Ballungsraum zu operieren, übergeht der 8. Leuchtturm geflissentlich. Dort greift nämlich ein Aspekt, den die FDP gerade derart gründlich vermasselt, dass wir noch in Generationen darüber lachen werden: den Breitbandausbau in der Fläche.

Was nützt der Handwerkerin in Altenthann oder in Hemau die schönste Webseite und das beste eCommerce-Konzept, wenn ihre Kunden mangels Breitbandzugang das Internet aufgrund der frustrierend langen Ladezeiten lieber meiden? Und da liegt auch die Krux des ganzen Leuchtturmprojekts: es stimmt schon die Grundvoraussetzung nicht. Wie will die Staatsregierung Bayern ins Informationszeitalter heben, wenn sie uns grade eher im Tal der Ahnungslosen hocken lässt?

Erst Ei, dann Gack, lieber Herr Zeil. Erst Breitband, dann Leuchttürme. Wenn das Fundament nicht stimmt, braucht man darauf nicht bauen.

Foto: César AstudilloCC-BY-NC

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Tina geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

3 Kommentare zu “Leuchtgrube 8: Digitalisierung im Handel, Handwerk und Tourismus (SRSLY?)

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