Bayern Kommentar

Die Rendite muss stimmen, oder so.

Foto eines Schildes auf dem steht: Hier betreutes Trinken

Bildung in Bayern?
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Heute gab es eine aktuelle Stunde zur Bildungspolitik in Bayern im Landtag. Und ich muss sagen, dass diese kleine, kurze Diskussion sehr erhellend war.

Die Aktuelle Stunde begann Frau Will von der FDP. Natürlich gab es viel Beweihräucherung – unsere Grundschulen sind top! Neben dem üblichen Politikgeplänkel fiel aber ein Satz, ein Schlüsselsatz, der, wie ich finde, sehr erhellend für mich war: „Das Geld, das in Bildung fließt, bringt eine mehrfache Rendite“.

Die Bildungspolitik der FDP ist also Rendite getrieben. Nur was einen wirtschaftlichen Mehrwert bietet, wird auch umgesetzt. Menschenrecht auf Bildung, beziehungsweise Bürgerrecht auf Bildung wie die FDP im Wahlkampf plakatierte, ist anscheinend kein maßgeblicher Faktor für Entscheidungen im Bildungssektor. Die Rendite macht’s.

Die CSU feiert sich anschließend sogar noch ein Stückchen mehr als die FDP, weil die Studie der Bertelsmann Stiftung ja eindeutig zeigt, dass Bayern die leistungsfähigsten Grundschüler habe. Kein kurzes Innehalten, dass die Bertelsmann Stiftung ein Think-Tank ist, deren wissenschaftliche Beurteilung von Bildung politisch extrem geprägt sein dürfte. Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast.

Dabei ist unsere Bildungspolitik falsch justiert. Und damit meine ich nicht das politische „Klein Klein“, ob man jetzt vier oder sechs Jahre lang in die Grundschule geht, zwölf oder dreizehn Jahre braucht bis zu einem Abschluss, der einem das Studieren erlaubt.

Vergessen wird dabei die alles bewegende Frage: Wie wollen wir Menschen in die Gesellschaft schicken? Ist es wirklich nur von Relevanz, wie gut sie Mathematik und Deutsch können? Ist das Ableiten und Integrieren eine wesentliche Fähigkeit, die man für sein Leben braucht? Ja, natürlich braucht man dieses Wissen, zur Berufs-Ausbildung. Ja, natürlich ist es wichtig, dass wir auch in Zukunft Menschen dazu befähigen, die intelligentesten Maschinen, die sparsamsten Motoren und die leichtesten Karossen zu bauen.

Aber Bildung ist mehr als Lesen, Schreiben, Rechnen. Bildung ist auch Persönlichkeitsbildung. Bildung ist die Fähigkeit, sich in allen Bereichen des Lebens zurecht zu finden, nicht nur im Berufsleben. Dass es hier an bayerischen Schulen hapert, ist offenkundig und kann derzeit in allen Hochschulstädten erlebt werden.

Die Statistiken, die über die Auswirkungen der Alkoholexzesse der Studenten erfasst werden, zum Beispiel durch die Polizei, weisen nach oben. Anscheinend nutzt die „junge Elite“ vermehrt die Gelegenheit der ersten Freiheit, die Lebenserfahrung nachzuholen, die ihr vorher im „Turboabi“ verwehrt wurde. Anscheinend wird den jungen Menschen in diesem Freistaat nicht mehr die Gelegenheit gegeben, eine Persönlichkeit zu entwickeln, die gegen den Missbrauch von Drogen gefeit ist.
Die Reaktion der Politik auf Jugendliche und junge Erwachsene, die sich mit der Droge Nummer eins in Deutschland in eine Nebenwelt flüchten, ist dann eben das Verbot. Verbote von Partys. Verbote von Alkoholverkauf ab 22 Uhr an Tankstellen. Es wurde die Verlängerung der Sperrstunden diskutiert und genau in den Unistädten, in denen sich die jungen Erwachsenen zum Stressabbau immer heftiger daneben benehmen, scheint es der einzig gangbare Weg zu sein, der Situation überhaupt Herr zu werden.

Vielleicht wäre es von Vorteil, wenn wir nicht auf die Studien von Bertelsmann vertrauen würden, die sich eben nur mit dem Berufsausbildungsteil unserer Bildungssysteme beschäftigen und auch nur die Leistungen dort belohnen, sondern Schule auch wieder zu einem Ort werden lassen, in dem junge Menschen die Möglichkeit haben, ihre Persönlichkeit zu bilden. Vielleicht wäre es gut, Schülern neben der Schule die Gelegenheit zu geben, schnöde alte und ach so langweilige „Lebenserfahrung“ zu sammeln.

Das kann aber nur funktionieren, wenn wir bei unserer Bildungspolitik auf den Menschen schauen, statt auf die Bertelsmann Stiftungen dieser Welt. Es kann nur funktionieren, wenn wir unsere Bildungspolitik auf den Menschen ausrichten und nicht nur auf die Rendite schielen.

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Benjamin Stöcker geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.

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