Bayern

Raus in die Natur? Nicht wenns dort auch Killerspiele gibt

Update

Thorstens Twitter hat mich grade auf ein Ereignis hingewiesen, dass mir extremst aufstößt. Die Stadt Dortmund hat ein Live-Rollenspiel für Kinder verboten. Grund: Gewaltprävention. Das gibt nach dem Verbot des Intel Friday Night Game in Stuttgart dieser unsäglichen Killerspieledebatte eine ganz neue Dimension. Bisher war die Forderung immer: Weg vom Computer, raus in die Natur. Jetzt heißts also auch raus aus der Natur.

Für alle die es nicht wissen, ein LARP ist eine Art interaktives Laien-Schauspiel, häufig mit mittelalterlichem Fantasy-Hintergrund. Häufig hat das natürlich auch Kampfelemente (was wäre z.B. der Herr der Ringe ohne seine Schlachten?), bei denen man sich gegenseitig mit Schaumstoffwaffen prügelt. Nicht selten gehts da auch mal zur Sache und angesichts der späten Nachtzeiten und der Mengen an Alkohol die auch hin und wieder im Spiel sind, werden häufig nur Spieler ab 16 oder gar 18 Jahren zugelassen.

Das betroffene Live-Rollenspiel „Tremonias Erben“ richtet sich dagegen explizit an Jüngere, wohl mit weniger heftigen Kämpfen und mehr Abenteuer. Genau mit dem Ziel: Weg vom Computer raus in die Natur. (Update: Konnte inzwischen mal die Ausschreibung auftreiben. Danke auch hier an Thorsten)

Wer ein Live-Rollenspiel schonmal erlebt hat, der kann sehen wie gut eigentlich die Grenze zwischen Realtität und Fiktion klappt (obwohl man bedingt durch die deutlichere „Realitätsdichte“ des LARP schonmal 5 Minuten braucht um wieder komplette aus der Rolle zu kommen). Ich erinnere mich noch sehr gut an ein großes Handgemenge zwischen „guten“ und „bösen“ und plötzlich erklingt ein „Time-Out“, der Befehl das Spiel kurz einzustellen. Im vorliegenden Fall hatte ein Spieler seine Brille verloren. Nachdem das ganze etwas dauerte, kam es aus Langeweile ausgehend von unsere Linie zu einem allgemeinen Händeschütteln und Schulterklopfen über das ganze Schlachtfeld. Kurz drauf mit „Time-In“ ging der Kampf mit voller Härte weiter.

Selbst wer sich nicht mit dem Gedanken des Live-Rollenspiels anfreunden kann, hat sicher auch schonmal Cowboy und Indianer gespielt. Ist vom Prinzip her nichts anderes.

Mit Schrecken muss man eigentlich sehen, dass auch wenn ein Verbot von „Killerspielen“ wohl so schnell nicht durch kommt, die Hysterie gerade auf Kommunalebene schon Opfer gefunden hat. Werden LAN-Parties und Live-Rollenspiel nun ein Leben im Untergrund fristen müssen?

Hinweis: Blogeinträge spiegeln lediglich die Meinung des Verfassers wieder und sind nicht zwingend Meinung der Piratenpartei.

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