Bayern

Chinesiche Verhältnisse: Die Great Firewall kommt nach Deutschland

Was in den letzten Tagen als Schreckgespenst durchs deutsche Netz gewandert ist, wird nun bittere Realität. Die Bundesregierung will noch in dieser Legislaturperiode (das heißt bis September!) einen Internetfilter etablieren.

Als Vorwand wird natürlich mal wieder das Thema Nummer eins vorgeschoben: Kinderpornographie. Dabei spielt die Regierung bewusst mit der Emotionalität des Themas, wer kann schon was gegen den Kampf gegen Kinderpornographie haben? Dass diese Art der Bekämpfung von Kinderpornographie natürlich nichts anderes als ein Paar riesige Scheuklappen ist, dass haben die Piraten bereits erkannt.

Was mir aber abgesehen davon völlig unverständlich ist, ist was sich Frau von der Leyen von dieser Aktion erwartet. Es ist ja nicht so, dass quer durchs Netz irgendwelche Leute Kinderpornographie auf öffentlichen Webserver verkaufen würden. Das vermeintliche Millionengeschäft im öffentlichen Netz gibt es nicht. Die Täter sind Teile von verchworenen Zirkeln und kommunizieren nur untereinander, niemand stolpert beim Surfen mal so nebenbei täglich über Kinderpornographie. Also was sollen nun bitte Blacklists helfen? Sicher nicht gegen verschlüsselte Mails oder FTP-Server dieser mafiösen Strukturen.

Was die Betroffenheit von Otto-Normal-Surfer betrifft ist Frau von der Leyen entweder total inkompetent oder einfach nur eine eiskalte Lügnerin. Wie z.B. auch bei heise zu lesen, behauptet sie, der Großteil der Surfer würde das virtuelle Stopschild nie zu Gesicht bekommen. Das es nicht weit entfernt auf der Insel bereits Archive.org und die Wikipedia traf, Webseiten die durchaus täglich von einer enormen Anzahl von Surfern besucht werden, würdigt sie dabei nicht im geringsten. Außerdem macht eine Blacklist nur bei IP-Adressen Sinn. DNS-Sperren können durch Direkteingabe der IP-Adresse umgangen werden, Sperren auf die komplette URL durch Verschlüsselung auf TCP/IP-Layer wie z.B. SSL. Häufig teilen sich aber eine große Anzahl verschiedener Webseiten den selber Webserver, ist dieser blockiert, so kann keine der dortigen Seiten mehr aufgerufen werden. Sperrt man also die Seite des Täter X, weil der in seinem passwortgeschützten Bereich auf seiner Webseite Kinderpornographie anbietet, so trifft es auch alle anderen unschuldigen Webseitenbetreiber die auf dem gleichen Server liegen.

Freuen dürfte das insbesondere die Content-Industrie. Denen sind vor allem One-Click-Webhoster als neue Form des File-Sharing ein Dorn im Auge. Dort müsste man nur noch ein paar Kinderpornos aufstöbern oder über einen Strohmann einschleußen lassen und alle Server des Webhosters würden blockiert. Aber natürlich käme eine Industrie, die sich nicht zu schade für Rootkits als „Kopierschutz“ ist, nicht auf eine solche Idee. Ein Schelm wer so etwas denkt.

Den allergrößten Gefahrenpunkt nennt von der Leyen aber selbst. Sie könne nicht ausschließen, was die nächste Bundesregierung alles noch ins Sperrsystem aufnimmt. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben: Wenn diese Büchse der Pandora einmal geöffnet ist, dann kriegt man sie nur schwer wieder zu. Zuerst sind es Kindespornos, dann Webseiten von „Terroristen“, dann rechtes Gedankengut, dann „Raubkopien“, dann Bombenbauanleitungen, dann Glücksspiele, dann normale Pornographie, dann „Killerspiele“, dann Whistleblowing, dann oppositionelle Parteien und schließlich die Presse. Die Reihenfolge und Schritte mögen variieren, aber der Weg ist vorgezeichnet. Und die Frau Ministerin fragt sich nur warum alle Angst vor chinesischen Verhältnissen haben.

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