Bayern

Amtierende Politiker und Studienergebnisse

Gestern hat sich die EU mal wieder einen Meisterstreich geleistet. Die Leistungsschutzrechte der ausübenden Künstler wurden auf 95 Jahre verlängert. Das witzige daran ist, dass Studien aus mehreren Ecken einheitlich zu dem Ergebnis kommen, dass es den Künstlern aufgrund der üblichen Buy-Out-Verträge kaum zu gute kommt. Trotzdem wird das Ganze durchgesetzt.

Dies ist bei weitem kein Einzefall und kein europäisches Phänomen, auch in den USA werden sogar die eigens in Auftrag gegebenen Studien ignoriert, wenn sie nicht das Ergebnis liefern das man sich erhofft. Den Vogel schießt natürlich derzeit die Familienministerin ab, diese kämpft mit ihren Zensurplänen unermüdlich gegen die Expertenmeinungen sätmlicher Fachrichtungen an (1, 2, 3) selbst gegen den extra dafür zuständigen wissenschaftlichen Dienst des Bundestages. Ok, als Wissenschaftler geb ich selbst nicht so viel auf solche Studien, häufig kann jeder der für 0,02 € statistisches Fachwissen hat, diese zerlegen. Aber das Frau von der Leyen eine solch saubere, prägnante und selbst für Laien verständliche qualitative Studie (ja ich hab sie gelesen), die aus vielen Ecken der Fachwelt befürwortet wird, mit absolut unsachlicher Kritik („unterirdisch“) an sich abgleiten lässt ist einfach lächerlich.

Ich bin mir recht sicher, dass die wenigsten Politiker Fachleute auf allen Gebieten sind oder sich auch nur bedingt so weit auskennen, dass sie eine objektive Meinung bilden könnten. Aus diesem Grund halte ich es für sehr wichtig, dass Politiker offen für die Meinungen von Fachleuten sind, besonders wenn diese sich zur Abwechselug mal so einig sind. Statt dessen ist aber alles was man sieht eine enorme Beratungsresistenz.

Der Grund dafür ist meiner Meinung nach, dass es die meisten Politiker zu gut meinen. Im Gegensatz zu vielen anderen halte ich Politiker egal welche Couleur nicht für raffgierige Egomanen (sind ja keine Manager ^^ ), sondern für Visionäre. Sie haben Ideen und Vorstellung, die sie als das Beste für die gesamte Gesellschaft erachten, selbst wenn sie primär dabei nur die Interessen eines ihrer Meinung nach bedeutenden Teils im Auge haben. Das Problem ist, dass in unserer westlichen Gesellschaft, die Fähigkeit zur Selbstkritik total verkümmert ist. Seine eigene Meinung zu ändern oder seinen Willen nicht durchsetzen zu können, wir als Schwäche ausgelegt. Dabei beweist man, gerade als Politiker, wahre Größe, wenn man in der Lage ist, seine eigenen Ideen, Meinungen und vielleicht sogar Moralvorstellungen kritisch zu hinterfragen.

Das ganze ist eine explosive Mischung: Extrem starke (evtl. recht weltfremde) persönliche Vorstellungen, Beratungsresistenz, fehlende Fähigkeit zur Selbstkritik, starke Motivation und eine Machtposition. Was dabei rauskommt ist der blinde Aktionismus den wir zur Zeit sehen und der eher einem religiösen Eiferer aus dem Mittelalter stehen würde, anstatt einem demokratisch gewählten Politiker der Neuzeit. Wieder ein Grund warum die Politik dringend frischen Wind braucht.

Hinweis: Blogeinträge spiegeln lediglich die Meinung des Verfassers wieder und sind nicht zwingend Meinung der Piratenpartei.

2 Kommentare zu “Amtierende Politiker und Studienergebnisse

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