Der Whistleblower Gustl Mollath und die hilflose bayerische Staatsregierung

Der Name Gustl Mollath ist in aller Munde, denn mittlerweile zieht der Fall auch international seine Kreise: Am Donnerstag berichtete sogar die BBC darüber. Für die bayerische Staatsregierung wird es damit immer peinlicher. Nicht nur, dass die Berichterstattung mehr und mehr Reichweite erzielt, auch alle Argumente der Befürworter von Mollaths Unterbringung werden nach und nach widerlegt. Bei dieser Faktenlage erstaunt es mich doch sehr, dass Justizministerin Merk am Dienstag in einer aktuellen Stunde immer noch versucht hat, die Tragweite diese Falles herunter zu spielen. Frau Dr. Merk geht es nach eigener Aussage primär darum, festzustellen, ob Gustl Mollath heute noch gefährlich ist – nicht etwa darum, die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten.

Doch gerade die sind beträchtlich. Bei all den Vorwürfen um Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Betrug gegen die Bankangestellten möchte ich erneut auf etwas anderes aufmerksam machen:

Die Anklage gegen Gustl Mollath war auf eine Anzeige seiner Ex-Frau gegründet, der Vorwurf lautete auf schwere Körperverletzung. Der Haken dabei: Zum Zeitpunkt der Anzeige lag der eigentliche Vorfall bereits ein Jahr zurück. Die SZ hat die Ärztin ausfindig gemacht, auf deren Briefpapier das Attest geschrieben wurde. Diese kann sich an den Namen Gustl Mollath nicht erinnern, sie wurde nie vor Gericht geladen. Dafür war ihre Arzthelferin aber wohl eine gute Freundin von Mollaths Ex-Frau – man darf die Echtheit dieses Attests also durchaus anzweifeln.

In Anbetracht der ganzen anderen Vorwürfe mag das zunächst eher nebensächlich erscheinen, doch näher betrachtet kann dieses winzige Detail den ganzen Fall kippen. Erweisen sich die Vorwürfe von Mollaths Ex-Frau als falsch, stellt sich die Frage nach seinem Gesundheitszustand gar nicht mehr. Dem Verfahren wäre auf einen Schlag die Grundlage entzogen.

Aber auch, wenn man der Frage nach Gustl Mollaths Gesundheitszustand nachgeht, wird das Eis schon bald sehr dünn. Immer wieder wird argumentiert, es sei völlig egal, ob Mollaths Vorwürfe gegen die HVB stimmen oder nicht. Sein angeblicher Wahnzustand zeige sich unter anderem darin, dass er während des Verfahrens wahllos unbeteiligte Personen in seine Vorwürfe eingebaut habe. Als Beispiel wird dann ein Gerichtsgutachter genannt, den Gustl Mollath wegen Befangenheit abgelehnt hatte. Das Problem: Eben dieser Gerichtsgutachter gibt an, völlig zu Recht als befangen abgelehnt worden zu sein – er war der Nachbar einer der beschuldigten HVB-Mitarbeiter.

Die Piratenpartei hat den Schutz von Whistleblowern in ihrem Grundsatzprogramm verankert. Wir haben für Bradley Manning auf der Straße gestanden und Kopien der Wikileaks-Server betrieben. Und in der Tat finde ich, dass der Vergleich zu Manning im Fall Mollath viel zu selten hergestellt wird. Vielleicht liegt es daran, dass niemand den Vorwurf politischer Gefangenschaft in den Mund nehmen möchte. So etwas ist in einem zivilisierten Land wie Deutschland nicht denkbar, auch wenn viele Tatsachen genau dies vermuten lassen. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Begriff des Whistleblowers zu der Zeit, als Gustl Mollath seine Vorwürfe öffentlich gemacht hat, einen viel geringeren Stellenwert hatte als heute.

Frau Merk wurde im Landtag dann übrigens von Horst Seehofer gerettet. Nachdem dieser gemerkt hat, wie sehr die CSU gerade an Boden verliert, hat sich unser Ministerpräsident kurzerhand selbst auf die Rednerliste setzen lassen. Rhetorisch – das muss man ihm lassen – äußerst beeindruckend, hat er der angeheizten Diskussion den Wind aus den Segeln genommen oder es zumindest versucht. Er wandert damit aber auf einem sehr schmalen Grat, denn sollte der Fall weiter eskalieren – und davon gehe ich aus – wird sich Herr Seehofer fragen lassen müssen, wieso er selbst so stark an der Bremse gezogen hat. Denn bei allen Bemühungen, das bereits in den Brunnen gefalle Kind noch zu retten, muss ich hier zum Ende nochmal sehr deutlich festhalten:

Gustl Mollath sitzt nach wie vor in der forensischen Psychiatrie in Bayreuth – seit bald sieben Jahren. Ihm wurde alles weggenommen, was einmal sein Leben war, sein Haus, seine persönlichen Habe, seine Dokumente, ja sogar sein Recht zu wählen. Ihm wird der Zugang zum Internet verweigert und das Telefon muss er sich mit 22 anderen teilen – auf dem Flur der Station FP4. Gustl Mollath hat in diesen sieben Jahren Erfahrungen machen müssen, die ich noch vor wenigen Wochen für unmöglich gehalten hätte. Und trotz dieser erdrückenden Faktenlage ist es weiter ungewiss, ob und wann er endlich seine Freiheit zurück erlangen wird. Doch: bei all der politischen Brisanz dieses Falls muss der Mensch – Gustl Mollath – dessen Leben hier zerstört wurde, an erster Stelle stehe.

Hinweis: Dieser Kommentar wurde von Patrick Linnert geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Landesverbandes dar. Alle Mitglieder können Kommentare über das entsprechende Formular bei der SG Digitale Medien einreichen.


Kommentare

23 Kommentare zu Der Whistleblower Gustl Mollath und die hilflose bayerische Staatsregierung

  1. T. schrieb am

    Ich möchte als persönlichen Kommentar lediglich zwei Aussagen gegenüberstellen.
    .
    Aussage 1, aus der Pressemeldung des Herrn Linnert: „… Vielleicht liegt es daran, dass niemand den Vorwurf politischer Gefangenschaft in den Mund nehmen möchte. So etwas ist in einem zivilisierten Land wie Deutschland nicht denkbar, auch wenn viele Tatsachen genau dies vermuten lassen. …“
    .
    Aussage 2, letzter Satz aus „http://www.slaviatours.de/beugehaft01.htm“ aus dem Februar 2004 (Bundesland Hessen):
    „Diese schwärende Wunde am Körper eines maroden, von Korruption und Rechtsbeugung zerfressenen, angeblich demokratischen und sozialen Rechtsstaates offen zu halten, nehme ich Beugehaft und Hungerstreik erneut auf mich. Nicht nur im eigenen, sondern auch im Interesse der geschädigten Dritten.“
    Wen über der Fall, der noch heute nicht abgeschlossen ist (und das schon gar nicht im Sinne der Opfer) eine Zusammenfassung der Ereignisse lesen möchte, findet sie hier: „http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16581“.
    .
    1918, 1945, 2004 … 2012. Sie können es einfach nicht lassen.

  2. derPaddy schrieb am

    Das schlimme kommt ja noch erst…….. mir ist zu Ohren gekommen, das es solche Fälle zu hunderten in Deutschland gab und gibt.

    Da kam jemand richtig großen Geldwäschen oder Steuerhinterziehungen auf die Spur und schubs landen mal eben, alle Ermittler inner Anstalt oder erden einfach sofort entlassen.

  3. mx schrieb am

    Kleine Frage: Was ist eigentlich die Gesetzesgrundlage dafür gewesen, dass ihm wirklich alles genommen wurde? Unabhängig von diesem Fall kann es ja sicherlich passieren, dass jemand sein Leben nicht mehr im Griff hat und eine psychatrische Einweisung nötig sein kann. Aber eigentlich sollte diese Unterbringung ja zu Heilungszwecken dienen und eben nicht zur lebenslangen Wegsperrung – und da ist es dann doch irgendwie merkwürdig, wenn man alle persönlichen Gegenstände, Zeugnisse und Dokumente schreddert und dem Betroffenen nicht die Gelegenheit gibt, diese irgendwo einzulagern. Der Start in ein neues Leben nach dem Aufenthalt in der Psychatrie wird so doch praktisch unmöglich gemacht.

    • T. schrieb am

      „Der Start in ein neues Leben nach dem Aufenthalt in der Psychatrie wird so doch praktisch unmöglich gemacht.“
      – Es gibt den Unauffälligen, der sich dort aufhält. Aus medizinischen Gründen. Wie es ihm dort ergeht und wie gut man ihm am Ende seines Aufenthalts in das sog. „normale Leben“ zurück verhilft: darüber wissen wir nichts.
      – Und dann gibt es noch Personen à la Gustl Mollath. Solche Leute halten sich dort auf, weil andere – nämlich die, die am Ausgangspunkt der Angelegenheit am längeren Hebel sitzen – sich um ihr Wohl ‚ernste Sorgen machen‘. – Möchten Sie ernsthaft annehmen, dass für den weiteren Verlauf Goodwill und englische Fairness gefragt sind?

  4. Dr. Munzert schrieb am

    Mundtot ist nicht tot genug.
    Herr Linnert, Sie schreiben: „…Gustl Mollath hat in diesen sieben Jahren Erfahrungen machen müssen, die ich noch vor wenigen Wochen für unmöglich gehalten hätte“. Sie kennen auch meinen Fall schon länger, vielleicht haben Sie und andere Piraten diesen bislang auch nicht für möglich gehalten?
    Mit mir haben sie es ähnlich gemacht: Entmündigt (nennt sich Betreuung) und in geschlossene Psychiatrie eingewiesen ohne vorherige richterliche Anhörung! Amtsgericht Erlangen Az: 4 XVII 0434/01. Die Betreuerin hat mich ebenfalls ohne mich vorher gekannt, gesehen oder gesprochen zu haben, einweisen lassen. Als sie mich später zum ersten Mal gesehen hat, sagte sie zu mir: “Sie sind ja so normal wie ich.” Manchmal sei sie etwas voreilig, gemeint war die Einweisung. Dann war es aber schon zu spät! Bin nicht vorbestraft, null Punkte in Flensburg, vom Erlanger Bürgermeister wegen meines beispielhaften ehrenamtlichen Engagements gewürdigt – und plötzlich angebliches Wahnsystem und allgemeingefährlich! Bei mir wars nicht die Bank, sondern ein Konzern. Die Akten und Beweise sind in sicheren Händen.
    Was ich bislang hier nicht thematisiert habe, ist folgendes: Nachdem man mich diskreditiert, mundtot und mit Stasi-Methoden zersetzt hatte, war noch nicht Schluss. Es geht weiter bis heute… Falls Gustl Mollath endlich freikommt, muss man leider darauf vorbereitet sein, dass es auch bei ihm weitergeht. Wen es interessiert bzw. vorbereitet sein will, Kontakt, Tel.: 0911/5187681, Emails erreichen mich nicht, tageweise ist das Telefon blockiert .
    Dr. Reinhard Munzert

  5. Dr. Munzert schrieb am

    Dr. Beckstein äussert sich zum Fall Mollath
    Das Schweigen Becksteins war schon aufgefallen, doch jetzt: Dr. Beckstein äussert sich zum Fall Mollath
    http://www.wolfgang-dudda.de/?p=7889&cpage=1#comment-2262
    „Seine erkennbar heftige Aufregung spricht trotz seiner Beteuerung ‚der Fall ist mir eigentlich egal, das regt mich überhaupt nicht auf‘ dafür, dass er genau weiß, worum es geht – um einen Skandal, der noch sehr weite Kreise ziehen wird.“

  6. Ich bin der Meinung, es müssten endlich Forderungen nach grundlegenden Änderungen des Justizsystems her, und die kann man nur über eine breite Mobilisierung des Volkes erreichen,

    Den wenigsten Menschen in unserem Lande dürfte es klar sein, wie das System tatsächlich funktioniert.

    Prof. Henning Ernst Müller führt dazu aus, dass selbst ein unbestreitbar unhaltbares Urteil in der Praxis normalerweise nicht aus der Welt zu schaffen ist. Das hält kaum ein Mensch auf der Straße für möglich! Hier muss Aufklärung her!

    Der Artikel von Prof. Henning Ernst Müller ist hier zu lesen, und man sollte sich auch die Kommentare unbedingt ansehen, abgesehen von mir scheinen dort nur Juristen (in klaren Worten…) gesprochen zu haben:

    http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/gustl-mollath-justiz-bayern-gutachten-wiederaufnahme/1/?tx_comments_pi1%5Bpage%5D=1&cHash=78c7de649fcf2d208ef3ab069bfc3a49

    Wenn die Justizverbrecher im Falle Mollath ungeschoren davon kommen sollten, dann Gnade uns allen Gott – das wäre ein höllisches Signal an eine längst auf Rechtsbruch programmierte Richterschaft und Staatsanwaltschaft.

    Wenn der Mollath nicht wirksam genutzt wird, um ein wahrhaft teuflisches Justizsystem durch ein gerecht und durch das Volk kontrolliertes Justizsystem zu ersetzen, dann Gnade uns allen ebenfalls Gott.

    Das Volk hatte verstanden, welche Bedrohung vom Internetsperrgesetzt ausging. Es hat noch nicht verstanden, welche Gefahr von der Justiz ausgeht. Piraten, macht Eure Schiffe klar!!!

  7. T. schrieb am

    Eine der „grundlegenden Änderungen“ könnte darin bestehen, wieder eine Gewaltenteilung zu praktizieren, die auch diesen Namen verdient. Wenn jemand zuerst jahrelang als Richter tätig ist und später in eine verantwortliche politische Position wechselt, sehe ich darin das genaue Gegenteil von Gewaltenteilung. Auf diese Weise entsteht nach und nach ein administrativer Gesamtkomplex ohne klare Grenzen, und seine Opfer werden grundsätzlich Personen oder Gruppen sein, die nicht über Connections in dieses undurchsichtige Geflecht hinein verfügen, die als Gegner wahrgenommen werden oder, schlimmstenfalls, ihre Existenz deshalb verlieren, weil einzelne völlig charakterlose Exemplare dieser Art ‚Würdenträger‘ sich und ihren zahlreichen Sympathisanten ‚gottgleiche Allmacht‘ meinen demonstrieren zu müssen.

    • Walter Keim schrieb am

      In Bayern werden Richter von der Exekutive angestellt, befördert und unterliegen ihrer Dienstaufsicht, einmalig in Europa. Deshalb hat die Presse („4. Gewalt“) die Aufgabe vor der Wahl die Wähler darüber zu informieren, wie die Justiz funktioniert, damit der Souverän der Demokratie Bescheid weiß was läuft und die richtige (Ab-)Wahl treffen kann.

    • Balser schrieb am

      Da schreibt eine Journalistin wie Alice Schwarzer im Gender-Mainstream die Ehefrau und
      JMin Merk nach dem Maul.
      Und im juristisch-journalistischen Zirkelschluss die dahin gehudelten Justiz- und
      Schlecht-achten schön, weil die (heißt möglicherweise Unrecht) per se aus sich heraus
      sich rechtfertigen sollen.
      Wobei der Einflüsterungs-Brief des Ferndiagnose-Schlechtachters Prof. Kröber an Merk
      über die Substanz seines Schlechtachtens der Selbstverteidigung dient, weil ihm das
      Wasser zu Hals steigt.

      Analytisches Nachdenken über Fakten ist besser als den wichtigtuerischen Schönschreib-
      Aufsatz des hohlköpfigen Spiegel abzuschreiben (plagiieren) oder plagiativ auf
      die unreflektierte Dichtung hinzuweisen, die von der Wahrheit so weit weg ist wie der
      Mond, hinter den Merk und ihre Merkwürden-Justiz gehören sollte.

  8. Mr. T schrieb am

    Ach Herr Linnert,
    sich machen sich die Sache mal wieder so schön einfach, stützen sich in Ihrer ganzen Argumentation auf einen kleinen Artikel der SZ und lassen die restlichen Fakten einfach mal gekonnt außer acht, Bravo. Dann argumentiere ich jetzt einfach mal wie sie, nehme den heutigen Artikel vom Spiegel über den Fall Gustl Mollath und siehe da, auf einmal ist das Attest ja doch echt! Ja sieh einer an. Denn wo heißt es denn, dass sobald der Praxisstempel der Ärztin auf dem Attest steht auch die Ärztin persönlich die Untersuchung durchführen muss? Nirgends! Wie viele tausende Praxen gibt es, wo natürlich auch mehrere Ärzte angestellt sind die nicht alle im Praxisstempel verewigt sind. Im besagten Fall hat der Sohn der Ärztin, selbst natürlich auch Arzt, die Untersuchung durchgeführt und kann sich sehr wohl an Frau Mollath erinnern. Auch an vorangegangen Behandlungen wg. Misshandlungen der Patientin, alles schön im EDV System der Praxis nachzulesen. Na was sagen Sie jetzt?
    Jetzt steht auf einmal wieder die Grundlage des Ganzen. Erklären Sie mir als Politiker doch einmal was für eine Vorstellung von Rechtsstaat sie eigentlich haben, wenn Sie jmd. der 129 Reifen zersticht, und zwar absichtlich, so dass die Luft erst bei der Fahrt entweicht und jmd. der seine Frau mehrfach misshandelt und schlägt, einfach so für ein Opfer des Systems halten und ihn sofort in die Freiheit schicken wollen? 3 unabhängige Gutachter haben die Gefährlichkeit von Herrn Mollath festgestellt, sogar ein Gutachter der Verteidigung…
    Ja wo kommen wir denn dahin liebe Piraten. Es macht mal wieder deutlich, dass Sie sich im wesentlichen nur auf einzelne Online Artikel stützen und eigentlich vom ganzen Ausmaß des Falles keinen blassen Schimmer haben. Diese Taktik ist clever, hab ich jetzt auch mal genutzt…
    Zum Nachlesen:
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-gustl-mollath-zweifel-an-opferrolle-a-872632.html

    • Balser schrieb am

      Seit wann ist denn der Spiegel Gottes Wahrheits-Wort ?

      Außer für die nicht mehr ganz dichten im Kopp.

      „Im besagten Fall hat der Sohn der Ärztin, selbst natürlich auch Arzt, die Untersuchung durchgeführt und kann sich sehr wohl an Frau Mollath erinnern.“
      Wenn Mami für ihn das Attest unterschreibt, dann steht der wohl noch unter deren
      Vormundschaft.
      „Auch an vorangegangen Behandlungen wg. Misshandlungen der Patientin, alles schön im EDV System der Praxis nachzulesen.“
      Werden die intimen Arzt-Geheimnisse am Praxis-Fenster für jeden ablesbar wie am
      Bildschirm-Fenster unter Schweigepflicht-Verstoß veröffentlicht.

      „Na was sagen Sie jetzt?“

      Sie sollten mal zur Psycho-Therapie wegen Größenideen-Fantasien gehen.

      Seit wann gibt es denn hier noch „unabhängige Gutachter“ :
      Wes Geld ich nimm, des Lied ich sing – die Vögel.

      Oder singen Sie als vorgeschobener Kanarien-Vogel die Arie von Merk in der
      Komischen Justiz-Gutachter-Oper ?

  9. Dr. Munzert schrieb am

    Das „Imperium“ schlägt zurück: Eigentor!
    Habe gerade auf Spiegel-online einen neuen Artikel über den Fall
    Mollath gelesen
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-gustl-mollath-zweifel-an-o
    pferrolle-a-872632.html ,der angeblich eine Wende bringt: es sei doch
    kein Justizskandal? Bei einer Tasse Tee dachte ich über die neuen
    Erkenntnisse zum Attest nach und diese erscheinen mir durchaus
    positiv für Mollath und eine Wiederaufnahme des Verfahrens ausgelegt
    werden zu können:

    SPON schreibt:
    „Das Attest stammt laut Stempel aus der Praxis der Nürnberger
    Allgemeinärztin Madeleine R. Die Illustrierte „Stern“ hatte vor drei
    Wochen berichtet, die Ärztin habe sich auf Anfrage nicht an eine
    Patientin namens Petra Mollath erinnern können…
    Doch es gibt eine einfache Erklärung für die fehlende Erinnerung der
    Ärztin: Laut Attest findet sich Gustl Mollaths Frau Petra am 14.
    August 2001 zur Untersuchung ein. Aber nicht Madeleine R. führt diese
    durch, sondern ihr Sohn Markus, ebenfalls Arzt, der zu der Zeit als
    Assistent in der Praxis arbeitet. Das Attest trägt deshalb den
    Stempel der Praxis mit seiner Unterschrift.

    Er erinnert sich an die Patientin, ihre Angaben und die Verletzungen
    hat er dokumentiert. Noch heute sind sie in der Praxis-EDV
    nachzuvollziehen: Demnach gab Petra Mollath an, ihr Mann habe sie
    zwei Tage zuvor mehrfach mit der flachen Hand geschlagen, bis zur
    Bewusstlosigkeit gewürgt und sie gebissen. Sie sei in diesem Jahr
    schon zweimal von ihm misshandelt worden.
    Als Petra Mollath sich ein Jahr später im Zuge der Trennung
    entschließt, ihren Mann wegen Körperverletzung anzuzeigen und den
    Arzt um ein entsprechendes Attest bittet, stützt er sich auf seine
    Aufzeichnungen: „Die bei uns durchgeführte Untersuchung am 14.08.01
    um 11:30 zeigte folgende Befunde: Prellmarke und Hämatom der rechten
    Schläfe von 3×5 cm Durchmesser, handbreite Hämatome an beiden
    Oberarmen, Hämatome an beiden Unterschenkeln, am linken Oberschenkel,
    Würgemale am Hals unterhalb des Kehlkopfes, Bisswunde am rechten
    Ellenbogen mit Abdruck von Unter- und Oberkiefer (…). Die erhobenen
    Befunde und Verletzungsmuster decken sich mit der Anamnese, die
    Schilderungen der Patientin sind durchaus glaubhaft.“

    Wenn ich das Alles recht verstehe, wurde also vor Gericht der falsche
    Eindruck erweckt, die erfahrene Ärztin hätte die Untersuchung
    durchgeführt (und das Attest erstellt und nicht der Sohn als
    „Assistent“). Offensichtlich ist dies nicht zutreffend. Von einem
    Sohn der Ärztin höre ich jetzt zum ersten Mal. Auch das Gericht? Was
    ist da gelaufen?

    Wurde das Attest mit Vor- und Zuname unterschrieben oder nur. mit M.,
    was sowohl für Mutter und Sohn zutrifft?
    Wer hat das Attest unterschrieben Mutter oder Sohn?
    Konnte vor Gericht der Eindruck entstehen – durch Unterschrift und
    Praxisstempel- die Frau Doktor habe die Untersuchung durchgeführt und
    das Attest geschrieben, obwohl es ihr Sohn war?
    Oder wurde das Attest von der Mutter unterschrieben und nicht
    erwähnt, dass die Untersuchung ihr Sohn durchgeführt hat?
    War der Sohn damals schon fertiger Arzt mit Doktortitel, wieviel
    Berufserfahrung usw.
    Die von SPON zitierte Formulierung: „Die bei uns durchgeführte
    Untersuchung am 14.08.01..“ kann man auch als sprachliche
    Verschleierung betrachten. Warum schreibt er nicht, die von „Mir“ durchgeführte
    Untersuchung?
    Erstaunlich ist auch folgendes: Warum hat die Ärztin nie gesagt, ich
    kann mich nicht an Frau Mollath erinnern, aber mein Sohn vielleicht,
    der sie ja untersucht hat.
    Der Mann der Ärztin soll gesagt haben, offenbar sei das Attest nicht
    so wichtig gewesen, sonst hätte das Gericht seine Frau ja wohl als
    Zeugin gehört. Hatte er vergessen, das er auch einen Sohn hat, der
    Arzt ist und der das Attest erstellt hat usw.
    Zu meinen Fragen und ersten Hypothesen ist Erhellendes äusserst
    willkommen!
    Die Ausführungen zu den psychiatrischen Gutachten sind im
    SPON-Artikel erstaunlich schwach und leicht zu widerlegen.
    Dr. Reinhard Munzert

  10. T. schrieb am

    Ganz einfach ist es nicht. Alle beurteilen die Situation als „Endkonsumenten“: danach, wie unterschiedliche Journalisten sie wahrnehmen und beschreiben, zwangsläufig danach, woher man als Einzelner sein Wissen nimmt. Aus der Darstellungs- und Ausdrucksweise wird für mich persönlich jedoch auch die Oberflächlichkeit vieler Journalisten erkennbar, so z.B. aufgrund sehr geraffter Darstellung und pauschalierender Wertungen auch die Oberflächlichkeit der zitierten Spiegel-Journalisten.
    Ob sich für Herrn Mollath ein Motiv zum ungerechtfertigten Beschuldigen seiner Frau ergeben haben könnte, weil sie ihm weitere finanzielle Zuschüsse zu seiner Firma versagt hatte, würde mich tatsächlich interessieren.
    Auch für das Anstechen von Autoreifen müßte er sich erklären, sollte er tatsächlich der Urheber dieser Sachbeschädigungen bzw. gemeingefährlichen Manipulationen sein. (Ist seine Täterschaft bewiesen, oder vermutet man sie nur bei ihm?) – Schade, dass man Herrn Mollath dazu nicht von dritter Seite eindringlich und ausführlich befragen kann.
    Wovon nach einem Jahr schliesslich behauptet wird, es sei als Patientenbefund in die elektronische Patientendatei eingegeben worden, das hingegen würde ich in seinem Beweiswert etwas einschränken. Dadurch, dass die Beziehung zwischen dem Praxispersonal und der Patientin von Anfang an keine neutrale, sondern eine freundschaftlich-gewogene war, und durch den Einfluss der späteren Ereignisse mit / um Herrn Mollath auf diese Personen halte ich mehr Distanz zu ihren Aussagen für gerechtfertigt.
    Und dann bemerke ich noch den Spiegel und seine Wahrnehmung durch die Spiegel-Leserschaft. Im Spiegel steht es auf eine bestimmte Weise dargestellt, und, klar, man kann es im Ganzen nur aus der besagten Perspektive ansehen (habe ich oft den Eindruck); auch wenn man selber schliesslich zu einem nuancierteren und daher vermeintlich unabhängigen persönlichen Urteil gelangt. – So manches Mal konnte ich in den letzten Monaten feststellen, dass Sachverhalte jedermann zur Kenntnis gelangen müßten, die gerade nicht im Spiegel nachzulesen sind. Vergessene Ereignisse, unerkannte Zusammenhänge, durchtriebene Personen und verheimlichte Konstellationen, über die aber der Spiegel noch nie berichtet hat und es wohl auch nicht tun wird, ihre gesellschaftlichen Auswirkungen hin oder her. Man sollte sich die Distanz zu den beliebten Nachrichtenmagazinen generell nicht abluchsen lassen: sie sind zweifellos wertvolle Helfer, aber nicht immer der Wahrheit!

  11. Hosseini schrieb am

    In dem Spiegel-Artikel werden außer Mollath auch die Piraten diffamiert, oder wie soll ich das auffassen: „Stattdessen organisieren die Piraten Mahnwachen und Spendensammlungen für den „Bankenkritiker“, die Netzgemeinde verklärt Gustl Mollath als „deutschen Mandela“, brave Bürger fordern schon das Bundesverdienstkreuz für Mollath, und eine große Tageszeitung trommelt beinahe täglich für seine Freilassung aus der Psychiatrie, am besten noch vor Weihnachten.“
    Hier übrigens ein interessanter Link: http://www.newsandbuy.de/Mollath_Presse.htm
    Beschreibt die Rollen der so genannten Qualitäts-Medien in diesem Fall.
    Hoffe von euch kommt auch noch was vernünftiges dazu, oder wars das schon in diesem Fall.

  12. T. schrieb am

    Wer im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ einen Artikel liest, glaubt sich schnell mit klaren Fakten und sorgfältig recherchierten, mit dem gesunden Menschenverstand nachvollziehbaren und ausserdem sprachlich ansprechend dargestellten Zusammenhängen versorgt. Die Texte sind regelmässig gut zu lesen, und bei umstrittenen Themen scheinen sie die Sachverhalte klarzustellen. Also wirkt er bei nicht wenigen Lesern wie ein kleines nachrichtenbezogenes ‚Wunderwerk‘, dieser „Spiegel“.
    … Und das teilt Herr Harald Schumann, ein ehemaliger Mitarbeiter des „Spiegel“ über seine dortigen Erlebnisse bei der Nachrichtenweitergabe mit – aus Bereichen, die den Lesern des Magazins nicht zugänglich sind:
    „http://www.youtube.com/watch?v=AzFF4ChX0A4“
    Wer an dem Thema ‚Nachrichten ÜBER Nachrichten‘ Interesse hat, möge es sich anhören.

  13. WehrHaft schrieb am

    Der Spiegel ist schon lange keine seriöse Quelle mehr.

    Man stelle sich die Absurdität mal vor, es wird in einem Attest der Wahn und die Gefährlichkeit eines Menschen dargestellt, den man a) nicht kennt, b) nie untersucht hat und c) dessen Wahn und Gefährlichkeit lediglich mit dem Aussagen der Ehefrau belegt werden. Wo gibt es denn sowas? Sind wir in einer Bananenrepublik?

    Es gibt im übrigen drei Gutachter, die Mollath gesprochen haben und ihm eine durchaus gesunde geistige Natur bescheinigten. Nutzte ihm nur nichts, da die StA ein Gegengutachten mit gegenteiligem Ergebnis hat erstellen lassen. Sämtliche Gutachter, die Mollath für krank halten haben ihn nicht einmal gesehen oder mit ihm persönliche Gespräche geführt. Alle Gutachten wurden lediglich nach *Aktenlage* gefertigt, also aufgrund Hörensagen, ebenso wie dieses erste Attest.

    Ich hoffe sehr, dass Herr Mollath bald aus der Internierung entlassen wird und dann seine erlittenen Verluste (die finanziellen) einklagt. Als erstes würde ich mich des Arztes bedienen.

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Patrick Linnert
Patrick Linnert ist seit 2010 Vorsitzender der mittelfränkischen Piraten und auf Platz 5 der bayrischen Landesliste zur Bundestagswahl.

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